Moni schwitzt, ein bisschen klebrig ist ihre Stirn. Seite an Seite schauen wir in lustvoller Erwartung auf den Höhepunkt, den wir schon vor über fünfzehn Minuten eingeleitet haben. Ein kleiner Seufzer kommt über ihre Lippen, kaum hörbar sind die Worte:  »Komm doch schon, was machst du so lange!» Auch ich kanns kaum erwarten, meine Lippen brennen, meine Hände wissen nicht wohin. Die letzten Strahlen der Abendsonne tanzen einen hauchzarten Tango auf Monikas Stirn und drücken kleine Schweissperlen aus sonnencremegefüllten Poren. Immer mehr regt sich mein Wunsch, den bekannten Duft mit meiner Nase erfassen und mit dem Mund schmecken zu können. Speichel sammelt sich darin – wie lange halten wir das noch aus? Wann kommt die befreiende Erlösung von der angestauten Begierde? Ist unser Bedürfnis bereits eine Sucht oder einfach nur ein Fest unserer Sinne? Die Lust steigt in unerkannte Höhen, als wir endlich die diskreten Schritte hinter uns hören. Der Kellner bringt endlich unsere Bestellung. Wenige Zutaten machen es aus: Drei Teile Pisco, einen Teil frischen Limettensaft, Zuckersirup, Eiweiss, ein Spritzer Angostura und ein paar Eiswürfel. Eiswürfel aus Trinkwasser notabene, im Tiefkühler gefroren und nicht abartig aus Gletschereis aus Norwegen oder Patagonien herausgeschnitten!

Pisco sour, geschüttelt oder gemixt heisst das flüssige Peru. Ein Höhepunkt einer jeden Peru Reise sei es, auf der Dachterrasse des Katari Hotels am Plaza de Armas in Arequipa einen Pisco sour in der Abendsonne zu geniessen; so zumindest lasen wir es im Führer. Gestern Abend tranken wir die flüssige Verführung im Museo del Pisco, quer gegenüber vom Monasterio de Santa Catalina, vorgestern in einer unscheinbaren Hostalbar und heute hier oben auf der Dachterrasse. Bezüglich Qualität lagen Welten dazwischen: Der eine schmeichelte den Gaumen, verdrehte uns die Augen, der andere kam derb und plump daher, dieselbe Spannweite wie wir sie von der Erotik kennen.

An dieser Stelle sei erwähnt, dass auf den Markennamen Pisco auch die Chilenen Anspruch erheben. Seit langem scheidet der Streit, welches Land den besseren Pisco brennt und wer den besseren Pisco sour herstellt, Nationalitäten! Wie wir später selber beurteilen können, hat der Chilenische Pisco aus dem Vale del Elqui die Nase vorne, wo die stark mineralischen Böden und die starke Sonneneinstrahlung des Hochtales den Muskatellern viel Liebe mit auf den Weg geben; doch davon später, in den Berichten von Chile.

Vorerst sind wir noch in Peru, in Arequipa, der weissen Stadt Perus – la Ciudad Blanca. Sie hebt sich ab von den anderen Städten Perus. Mit den weissen Fassaden aus Vulkangestein und den grosszügigen Gassen erscheint sie aufgeräumt, sauber und modern. Ein Farbklecks mitten in der Stadt ist das Kloster Santa Catalina, das innerhalb hohen Mauern wie eine kleine Stadt mit verwinkelten Gassen gebaut ist.