Nach den vielen Tagen in der Wildnis des Pukwaska Provincial Parks, stieg unsere Lust auf urbane Umgebung, insbesondere nach einem gemütlichen Restaurant mit gediegenem Service und zivilisiertem Essen. Wir machten uns auf den Weg in nordwestlicher Richtung mit der Absicht, die Stadt Winnipeg einzunehmen. Nördlich von Thunder Bay blickten wir nochmals zurück auf den Lake Superior, der sich hinter einem Regenvorhang versteckte. Mit DaBa’s 157 Pferdestärken pirschten wir der Highway 17 entlang, schafften es aber bei dem starken Gegenwind und teilweise starken Regenschauern nur bis Kenora. Wir waren durstig und auch die Pferde brauchten Diesel. Mit knapp 12 Liter, bei einem Literpreis von 1.02 bis 1.09 Dollars, sind das gut 9.50 Fr. auf 100 Km oder, bei der bis jetzt gefahrenen Strecke von etwas mehr als 8000 Km ab Bischofszell, 730 Franken; pro Pferdestärke also nicht mal 4.50 Franken. Frisch getränkt und gestärkt richteten wir bei den Lakes of the Woods auf einem Campground ein Lager für die Nacht ein. Früh morgens, ein Gänsepaar mit ihren fünf jungen Küken watschelten noch an uns vorbei, fuhren wir unserem Plan folgend weiter.  Kurz vor Whiteshell überquerten wir die Provinzgrenze nach Manitoba und wieder mussten wir unsere Uhren um eine weitere Stunde zurückdrehen. Jetzt trennen uns schon sieben Stunden zur Schweiz.

Weiter ging es über eine endlos erscheinende Prärie mit schnurgerader Strasse, die, je näher wir der Provinzhauptstadt kamen, kurviger und die Prärie durch Landwirtschaft verdichteter wurde. Sogar die Vögel wohnen hier verdichtet, obwohl Manitoba sehr niedere Lebenskosten und genügend Land für Wohnraum hat.

Rita, eine Schweizerin die wir in Gladstone angetroffen hatten, erzählte uns, dass sie über 30 Jahre mit ihrem Mann in British Columbia arbeitete und sie, weil eben das Leben hier viel günstiger sei, vor ein paar Jahren nach Manitoba umgezogen seien. Dies, obwohl Manitoba keine Provinz für Weicheier sei. Acht Monate abscheulich eisig-windige Winter, mit Temperaturen bis minus 45°, führen in einen viermonatigen heiss-feuchten Sommer über, der von Moskitos, später von stichigen Schwarzen Fliegen und obendrauf noch mit dieser giftigen Pflanze Poison Ivy dominiert sei. In Manitoba gehe niemand freiwillig aus dem Haus – soweit Rita, die es ja wissen muss.

Wir, ebenfalls keine Weicheier, kämpften uns weiter bis in unmittelbare Nähe von Winnipeg, wo wir das Nachtlager, sozusagen in der Ruhe vor dem Sturm, an der Murdock Road, nicht weit von der Fermor Ave, aufschlugen. Anderntags griffen wir die Stadt von Süd-Westen an. Nach der Überquerung des Red River und Assiniboine River schlichen wir westlich des Bahnhof zum Exchange Quartier mit den auffallend hohen Gebäuden im viktorianischen Stil. Es war der 24. Mai an einem Mittwochmorgen um 11 Uhr mit menschenleeren Strassen. «Wo ist die Verteidigung?» fragten wir uns. Ganz offenbar wurde unser Angriff verraten und die Einwohner Winnipegs hatten sich alle in ihre Festung zurückgezogen. Diese bestand aus Einkaufskorridoren im Innern der Gebäude, die alle miteinander verbunden und bei Strassenabschnitten über gedeckte Brücken passierbar sind. So lässt sich einfach spazieren, shoppen oder zur Arbeit gehen, im Winter geheizt und im Sommer klimatisiert. Kurzerhand gaben wir unseren Angriffsplan auf und trollten ebenfalls in der Festung herum, besuchten das Museum für Menschenrechte, ein Äthiopisches Restaurant, eine Irish Bar, ein Kanadisches Restaurant (nachdem wir an einer geschlossenen Pizzeria abblitzten) und die Sonderausstellung über die Kunst von Pablo Picasso in der Winnipeg Art Gallery. Nach vier touristischen Tagen in dieser schlafenden Multikulti Stadt war unser Kulturvakuum wieder gefüllt und wir verliessen das Tor zum Westen, wie die Stadt oft bezeichnet wird, in Richtung Nordwesten.