Mit den vielen alten Geschichten im Kopf ziehen wir diesen 28. April ebenfalls weiter, queren wieder rüber nach Utah und finden uns im Valley of the Gods in einer weiteren Filmkulisse. Forrest Gump, auf seiner dreijährigen Jogging-Tour durch die USA, rannte bis zur Mitte dieser Wüste, mit einer Schar von Nachahmern in seinem Tross, wo er plötzlich stehen blieb und sagte: «Jetzt bin ich müde, eigentlich will ich nicht mehr rennen». Erinnert ihr euch an diesen Film mit Tom Hanks? Bald darauf erfuhr er, dass er Vater war! Wir suchten in verschiedenen Public Libraries nach dem Video, bis wir ihn endlich in einem RV-Park, in Julian, unten in der Nähe von San Diego fanden.

Auch im nahegelegenen Natural Bridges National Monument ist es trocken. Wasser gibt es nur aus einem kleinen Brunnen im Besucherzentrum. Kessel um Kessel (12 x 10 Liter) füllen wir den leeren Wassertank im Auto, in Vorfreude auf eine Dusche. Um die Vorfreude richtig scharf zu machen, wollten wir sie uns zusätzlich durch eine Wanderung an diesem heissen 28. April verdienen. Wir klettern runter zur Talsohle des ausgetrockneten Armstrong Rivers und folgen den Windungen des Flussbettes bis zur Owachomo Bridge, eine Felsbrücke mit 55 Meter Spannweite, die an der dünnsten Stelle nur 2.7 Meter stark ist. Der Fluss, als er noch jung und voller Kraft war, hatte tief in der Schlucht in einer engen Kurve so lange am äusseren Felsen genagt, bis er eine Abkürzung durch ihn gefressen hatte. Das Loch im Felsen erodierte in der Folge mehr und mehr, bis sich diese natürliche Felsbrücke bildete. Nach 16 Wanderkilometer waren wir annähernd gleich ausgetrocknet wie die Talsohle und froh, aus der Schlucht aufsteigen zu können. Schnell unterquerten wir den gewaltigen Felsbogen, froh, dass er wohl baufälliger aussah als er wirklich ist.

In Halls Crossing warten wir auf die Fähre, die uns über den Colorado nach Bullfrog bringen wird. Die Wartezeit nutze ich, um die Dieselzuleitung der Heizung zu reparieren, die durch das Fahren auf den holprigen Pisten riss. Die Vibrationen und Schläge der Schotterstrassen sind eine wahre Herausforderung für das Auto, teilweise auch für uns. Solange die wellblechartige Strassenoberfläche regelmässig und nicht von grösseren Löcher durchsetzt ist, kann man je nach Abstand und Höhe der Wellen mit 50 bis 60 Km/h darüber hinweggleiten. Die Vibration hält sich dann in einem Rahmen, in der das ganze Auto mitsamt Inhalt schwingt, jedoch nicht schlägt. Die Schläge erfolgen erst beim Abbremsen, wenn in der Folge die vorderen Stossdämpfer eingedrückt werden. Diese Schläge tun dann so richtig weh, und wir hören jeweils das berechtigte Gejammer der Einbauten, des Kühlschrankes und des Bierlagers in der Duschkabine. Sind die Schlaglöcher gross und tief, oder zum Beispiel beim Queren von Flussbetten (Valley of the Gods), dann stehen wir jeweils vor der Herausforderung, den Weg so einzuschlagen, dass sich die Karosserie am wenigsten verzieht. Zum Glück ist unser DaBa sehr stabil, auf Holz klopfen, und wir sind von grösseren Defekts bis heute verschont geblieben.

Eine Herausforderung steht uns auf dem Burr Trail bevor. Gleich nach Bullfrog zweigt die einspurige Schotterpiste, von der #276 ab und führt zuerst gemütlich durch das traumhaft schöne Hinterland des Capitol Reef National Parks. Nach einer Flussdurchquerung wird die Piste steiler und die Kurven enger. Wir fragen uns nicht nur einmal, ob wir hier richtig sind, denn die vor uns liegende Felsauffaltung scheint unbezwingbar zu sein. Ein uns entgegenkommender Truck hält auf unser Zeichen neben uns an und der Fahrer ermutigt uns weiterzufahren, «no worries! There is a trail up there but…» Dann folgen seine Anweisungen betreffend Strassenzustand: Keine Leitplanken, nicht am äusseren Rand fahren, da die Strasse abrutschen kann, und nicht runter schauen falls ihr unter Höhenschwindel leidet. Mit diesen Ratschlägen gerüstet winden wir uns die x Serpentinen hinauf und erreichen bald den oberen Rand des Canyons wo wir uns ob der spektakulären Aussicht freuen können. Eine bunte, oft märchenhaft anmutende Landschaft mit rotschwarzen gestreiften oder leuchtend weissen Felswänden, die uns stark an die Painted Hills erinnern, begleitet uns in das verschlafene Nest Escalante, wo wir uns ein paar Tage von den Reisestrapazen erholen.

Übrigens – habt ihr schon gesehen, wie sich hier die Streifenhörnchen tarnen?