«Hallo Herr Lau, können sie mir jetzt bitte die Buchung bestätigen oder gibt es noch Unklarheiten bezüglich der Fracht?» Zum x-ten Mal telefoniere ich mit dem Direktor der Grupo Beristain, Veracruz, ein bisschen entnervt aber immer noch gefasst. Wir möchten unser Auto am 8. September von Veracruz (Mexiko) nach Cartagena (Kolumbien) als RoRo Cargo verschiffen. RoRo bedeutet Roll on – Roll off, das heisst die Fahrzeuge werden mit eigenem Antrieb vom Hafenpersonal ins Schiff hinein-, und im Zielhafen wieder vom Schiff herausgefahren. «Die Offerte von Höegh Autoliners und die Angaben der Verschiffung auf der SUZUKA EXPRESS wurde doch von uns vor Wochen bereits bestätigt, inklusive den Transportkosten von 40 USD pro Kubikmeter, zuzüglich Treibstoffzuschlag von ca.0.59 USD,» klagte ich ins Telefon und weiter: «Warum denn, zum Donnerwetter, kriege ich keine Auftragsbestätigung?» «Herr Thalmann», beschwichtigte er mich; «es ist alles im grünen Bereich, alles okay, das Schiff läuft am 8. September aus und es genügt, wenn sie zwei Arbeitstage vorher bei uns im Büro auftauchen!» Na, wenn das mal gut geht, dachten wir. Auf meine Mails bekam ich nie oder selten Antwort von Herrn Lau und wenn, dann bloss, um mir mitteilen zu lassen, dass es schon klappen wird, und ich mich nicht direkt an Höegh wenden soll, denn diese pflegen nur Direktkontakt mit Grosskunden. Gut, das leuchtete mir ein, denn ein Einzelauftrag für die Verschiffung eines Mercedes Benz Sprinter Wohnmobils, mit 33m3, Volumen und mickrigen 4000kg, ist weniger als ein Klecks für sie. Ein Sandkorn wird unser DaBa im grossen Bauch des Autoliners Suzuka Express sein, der über 8000 Lastwageneinheiten fasst. Wir wägten uns in Sicherheit, fuhren zügig Richtung Veracruz weiter, bis, wie ein donnerloser Blitz aus heiterhellem Himmel, die Nachricht von Höegh eintraf: «Die SUZUKA EXPRESS ist leider überbucht, alternativ können sie drei Wochen später verschiffen.» Wütend griff ich wieder zum Telefon: “Hallo Herr Lau”, weiter komme ich nicht mit meiner angedachten Schimpfparade und wurde von ihm unterbrochen: “Alles kein Problem Herr Thalmann, meistens sagen einige Kunden kurzfristig ab und da haben sie wieder Platz.” Moni und ich debatierten lange hin und her, ob wir nun am fünften oder neunzehnten September in Veracruz sein wollen, ob wir weiterhin zügig weiterfahren oder doch noch ein paar Tage in Cancun tauchen gehen können. Berechnungen hin oder her, wir entschieden uns, zügig weiterzufahren. Fünf Tage vor der planmässigen Abfahrt bekam ich von Höegh in einer Mail an Herr Lau zu sehen, dass das Auto zur Verschiffung leer sein muss. Leer? «Hallo Herr Lau», wieder mit ihm am Telefon, ich verzweifelt, «das kann doch nicht wahr sein, wir können das Wohnmobil doch nicht leer verschiffen!». «Herr Thalmann, machen sie sich keine Sorgen, Höegh gibt das nur im Schriftverkehr an, weil sie keine Verantwortung betreffend Diebstahl im Wageninnern übernehmen wollen. In letzter Zeit gab es ab und zu Reklamationen, vor allen von Wohnmobilkunden, denen Sachen entwendet wurden, deshalb diese neue Formulierung in ihren Offerten. Alles kein Problem, Veracruz nach Cartagena ist ziemlich sicher, das kriegen wir schon hin.» Na ja, kriegen wir schon hin, der hat aber gut reden, denke ich. Anderseits werden wir das Auto für die Verschiffung mit einer Holzwand zwischen Fahrerkabine und Wohnraum absichern und alle Türen, ausser die Fahrertür, mit zusätzlichen Schlössern und Stahlkabelzügen verschliessen. Also alles im grünen Bereich.

schlussendlich recht bekommen. Wir waren zum Glück frühzeitig in Veracruz und unser DaBa verliess den Hafen am 8. September auf der SUZUKA EXPRESS. Herr Lau war uns eine grosse Hilfe im Dschungel der Verschiffungs-, Verzollungs- und Exportdokumenten, selbst beim Abschliessen einer Tagesversicherung, die notwendig war, um im Hafengelände bei der Zollüberprüfung dabei zu sein. Gründlich machten sie es, die Zöllner. Mit Hund und Endoskop suchten sie alle Ritzen des Autos ab, ich fragte mich nicht warum – alles ist möglich. Allerdings wusste ich zu diesem Zeitpunkt nicht, dass dann in Cartagena keine Einfuhrkontrolle mehr stattfindet.

Moni und ich stiegen in den Bus, fuhren nach Mexiko-City und nach ein paar Tagen per Flugzeug nach Cartagena. Vergessen der Kraftakt des Versschiffens, adieu Veracruz, adieu liebe Leute, adieu Mexiko; schön war es hier, kraftvoll und unvergesslich, wir haben uns immer sicher gefühlt. Vieles hat uns überrascht, und alles nur positiv. Danke für das Abschiedsfest mit dem Feuerwerk, notwendig gewesen wäre es nicht, aber genossen haben wir es!

Bis 13. September