Regnerisch trüb, unangenehm feucht und irgendwie abweisend schaut es hier am Hafen von Port Angeles aus, während wir aus dem Schiffsbauch der Fähre auf Amerikanischen Boden rausfahren. Wir sind jetzt in den USA und zwar im richtigen USA, nicht im Bundestaat Alaska, wo man sich mehrheitlich distanziert zur Regierung äusserte. «Beijing ist weit weg», so hört man die etwas anders tickenden Chinesen im Süden von China sagen, und so ähnlich kam es mir in Alaska vor.

Wir sind jetzt also im Land, wo die West-Ost führenden Highways gerade und die Nord-Süd führenden ungerade Nummern haben und die meisten geradeaus führen. Im Land der Gallonen, Fuss, Fahrenheit und Meilen, im Land mit hohen technischen Standards und einer hoch entwickelten Industrie, die es bis zum Mond schaffte aber immer noch kein öffentliches Verkehrsnetz aufbauen konnte. Im Land, wo ich acht Quarter Münzstücke in den Geldautomaten stecken muss, um eine Waschmaschine starten zu können, weil sie es nicht schafften, eine Eindollar Münze zu stanzen. Wir sind im Land der fetten Dinge: Burger, Autos, XXL-Figuren, Turnschuhe. Im Land mit echten Männer noch, die Diesel anstelle von Blut im Körper haben und wo bereits Babys ans Steuer dürfen (ab 16).

Im Land, dessen 45. Präsident bestimmt in die Geschichte eingeht wie kein anderer bevor, einer der die Welt verhandeln will anstatt vorausschauend regieren. Wir sind in einem Land, in diesem sich die weissen Leute etwas näher am Himmel wähnen als anderswo. Wir sind im Land, dessen Musik in meiner Jugendzeit weiss wurde und mich im rebellischen Erwachsenwerden begleitete, allen voran Bob Dylan oder Joan Baez. Dann war noch Coca-Cola, Camel ohne Filter, Blue Ribbon (nie Malboro) und Lewis Jeans, X15-7 Mach, Cowboys, Revolver, High Noon  – USA, wir nähern uns um dich besser kennen zu lernen.

Eine gute Chance hatten wir bereits, als sich das Fahrzeug hinter uns, mit heulender Sirene und Blaulicht, als die Bundespolizei erwies und uns zum Anhalten gebot. Hände am Steuer, geradeaus schauend wartete Monika, sie sass am Steuer, auf weitere Anweisungen. «Hallo, kann ich bitte Fahrzeugdokumente, Passport und Führerausweis sehen?» fragte er in sorgfältigem Amerikanisch. Eingehend studiert er unsere Dokumente und irgendwie wusste er gar nicht so recht, was er in den Händen hielt; ich sah buchstäblich, wie er seine Hirnfalten quetschde um die Erkennung zuerlangen. «Wo ist das Ablaufdatum des Fahrzeugausweises? Wo, dasjenigen des Führerscheins? Woher kommt ihr?» Nach ein paar Sätzen wurde das Gespräch lockerer und er erklärte uns, dass sein Sohn in kürzlich gefragt hätte: «Dad, do you know all international license plates?» «Nicht eines» hätte er antworten müssen, «auf meinem Highway ist mir ist noch nie ein ausländisches Fahrzeug begegnet.» «Aber jetzt» meinte er, «habe sich die Sache geändert». «Von der Schweiz – he?» Bestimmt verwechselte er es mit Schweden – aber Minuten später waren wir wieder unterwegs.