Es war Ende Juli, an einem heissen Tag im zentralen Hochland von Mexiko, auf der Autobahn. Sie sollte uns in einem sanften Bogen nördlich von Mexiko-City nach Teotihuacán führen, wo ein gut gelegener Trailer Park liegt, auf dem wir die nächsten paar Tage verbringen wollten. Doch dieser sanfte Bogen hatte es in sich, denn er war ein Flickwerk von Strassen und Baustellen mit Über- und Unterführungen, mit zahlreichen Ein- und Ausfahrten und einem Schilderwald von Ortschaften, welche wir nicht orten konnten. Kein Wunder also, dass auch unser Navigationssystem in diesem Wirrwarr die Orientierung verlor. Immer den kürzesten Weg vor Augen, führte es uns direkt in eine verstopfte Gasse, mit einem Strassenmarkt, eines Vorortes von Mexiko-City. «Weiter geradeaus, dann geradeaus, linke Spur nehmen» quietscht Micas Stimme die Routenanweisung aus dem i-Phone. Zusammen mit einer kauflustigen Menschenmenge, in Konkurrenz mit zwei-, drei-, vierrädrigen Fahrzeugen und Lastwagen, würgten wir uns also geradeaus durch diesen unübersichtlichen Basar. Centimeter um Centimeter bewegten wir uns in diesem pulsierenden Organismus vorwärts, das Auto so vorsichtig lenkend, wie ein Gastroenterologe das Endoskop im Magen-Darm-Trakt eines Patienten führt. Tröstlich zu wissen, dass in dieser Mega-Metropole etwa 20 Millionen Menschen leben und sich hier nur ein Bruchteil davon befinden kann. Trotz grossräumiger Hektik scheinen die Leute in dieser Situation die Ruhe gepachtet zu haben. Zwar ist jedermann stoisch auf sein eigenes Vorwärtskommen besonnen, jedoch geben sie einander Platz, wenn es absolut notwendig erscheint.

Wie kommen wir da wieder raus, war uns auf die Stirn geschrieben! Nach Rat befragte Passanten waren sich lediglich in einem Punkt einig, nämlich, dass wir auf dem falschen Weg seien und es halt an Sonn- und Markttagen bis spätabends so sei – so quasi als Naturgesetz. Welcher Weg hingegen aus diesem Chaos führt, war nach weiterem Nachfragen nicht schlüssig, denn jede Himmelsrichtung wurde uns gezeigt, vehement und mit Nachdruck! Micas elektronische Routenanweisung vergewisserte uns, in 300 Meter die rechte Spur zu nehmen und danach rechts abzubiegen – doch dies schien uns unmöglich zu sein, denn wir befanden uns auf der linken Seite einer Autobahn. Nun denn, nach einigen gewagten Manöver gelang uns schlussendlich die etwas gewagte Flucht über eine Fussgängerbrücke, die genau die 6-spurige Autobahn überquerte, auf der wir in Richtung Teotihuacán hätten sein sollen. Zum Glück half uns dabei ein Passant, der auf der gegenüberliegenden Seite Fussgänger und andere Fahrzeuge aufhielt, denn nicht mal eine Person hätte zwischen Auto und Geländer Platz gehabt. Wir wagten kaum zu atmen, langsam, auf jedes Geräusch achtend, fuhren wir die 4 Tonnen über die Brücke. Schlussendlich fand auch unser Navi einen Ausweg und Mica führte uns zum wunderbaren Campground in Teotihuacán.

Anderntags fuhren wir mit dem Velo zu den Ruinen der Stadt Teotihuacán, die zur Blütezeit im 5. und 6. Jahrhundert eine der grössten Städte der Welt war. Sich vorzustellen, wie hier zu dieser Zeit 200’000 Menschen zusammenlebten, und wie es zu- und herging, ist nicht nur uns ein Rätsel, denn auch die Forscher sehen ein grosses Fragezeichen, weil bisher keine Schrifttafeln oder Stelen gefunden wurden. Lange sassen wir auf der 65 Meter hohen Sonnenpyramide und überblickten die 45 Meter breite Hauptstrasse zur Mondpyramide, die noch heute der Nachwelt geblieben ist. Kein Zweifel, auch wir lösen das Rätsel nicht, schon gar nicht mit leerem Magen, der nach Futter verlangend knurrte.
Wochen später besuchten wir eine ähnlich alte Stadt, Monte Albán, Hauptstadt der Zapoteken, in der Nähe von Oaxaca de Juarez, wir waren inzwischen das Treppensteigen gewohnt.

PS:

Die Navigation ist nicht immer einfach, denn meist haben wir keine so detaillierten Strassenkarten, nach denen wir uns richten können. Gottseidank gibt es heutzutage viele digitale Hilfen, die wir auf unsere Handys laden können. So sind die drei Apps, Maps.me, Waze, GoogleMaps und iOverlander unsere wertvollsten Helfer in der Organisation und Navigation beim Reisen. Die drei ersteren sind allesamt Strassennavigations-Apps, die auch Offline mit vorinstallierten Karten auf dem Handy funktionieren. Deren Vor- und Nachteile lernten wir im Verlauf der Nutzung durch viele Missgeschicke kennen, wie eben der oben erwähnte, ungewollte Abstecher in diesem Vorort von Mexiko-City. iOverlander, ebenfalls ein kostenloses App fürs Handy, ist ein Camping- und Übernachtungsverzeichnis für all jene, die mit Ihrem eigene Fahrzeug auf der Welt unterwegs sind. Dadurch, dass jeder Benutzer und Weltenbummler seine Übernachtungsplätze mit den Koordinaten, Beschreibungen und Fotos in diese App eingeben kann, können wir meist aus einer Vielzahl von möglichen Plätzen wählen, die auf unserem Weg liegen.

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