Die stürmischen Farben des Herbstes verblassen mit den fallenden Blättern, die ein kalter Wind von den Bäumen bläst. Ruhe legt sich auf die Landschaft und die paar wenigen Touristen, die wir noch antreffen, ziehen in den Süden. Immer mehr Campingplätze und RV-Parks verfallen ebenfalls in eine Winterstarre, die sie mit Barrieren oder Steinklötze in den Zufahrtsstrassen verteidigen. Der erste Schnee, die ersten gefrierenden Nächte, alles Hinweise, dass auch wir langsam südlich ziehen sollten.

Aber wir schwammen wieder mal gegen den Strom und reisten weiter in nördlicher Richtung. In Dawson City hatten wir zum letzten Mal den Yukon mit einer Fähre überquert, bevor wir die Top of the world Highway hinauf kurvten. Der Name kommt nicht von ungefähr, erstrecken sich doch links und rechts, der auf den Bergkamm gelegten Schotterstrasse, endlos erscheinende Gebirgszüge auf Augenhöhe, durchschnitten von tiefen Täler. Immer wieder hielten wir an und unternahmen bei schönstem Wetter einen kleinen Gipfelsturm in der Nähe der Strasse um den Rundumblick zu geniessen. Ganz nahe am Himmel, oben in Little Gold Creek, erreichten wir den Schlagbaum des nördlichsten Grenzpostens zwischen Kanada und der USA. Wir waren buchstäblich unter den letzten, die den Schlagbaum durchquerten, denn zwei Tage später wurde der ordentliche Betrieb des Grenzpostens eingestellt und die Top of the world Strasse der Wintersperre übergeben. Ohne grosse Fragerei, jedoch mit genauen Dokumenteprüfung und Hinterlassen der Fingerabdrücke liess uns die resolute Zöllnerin mit einem 3-monatigen Aufenthaltsrecht passieren.

Wir sind in Alaska! Eine Enklave der USA, 37-mal grösser als die Schweiz aber mit 11-mal weniger Einwohner. Wir steigen herab von der göttlichen Höhe, wieder ehemaligen Goldrausch-Spuren folgend nach Chicken, wo wir nicht unweit davon wieder auf den Alaska-Highway trafen. Über Tok ging es weiter nach Fairbanks. Ausser warme Winterstiefel kaufen, wieder mal auswärts Essen und die geschlossenen Museen von aussen zu betrachten, hielt uns nichts lange in der kalten Stadt und so fuhren wir zügig weiter, diesmal jedoch in südwestlicher Richtung!

Mount Denali, der mit nahezu 6200 Meter höchste Berg Nordamerikas, und unter Bergsteiger als der kälteste Berg der Welt gehandelt, liegt im gleichnamigen Nationalpark, umgeben von wilder Natur und unzähligen Gletscher. Sein Name und seine Bilder, viele kennen ihn noch unter Mount McKinley, hängen in meiner Erinnerung seit meiner Jugendzeit, als ich die Abenteuererzählung «Berg ohne Gnade» las. Abweisend, kalt, anstrengend und unberechenbar soll er sein. Na dann, jetzt mal ran, dachten wir uns und campten 3 Tage im Park, unternahmen Wanderungen und Velotouren, bis er sich einmal für ein paar Minuten in der Ferne hinter den dicken Wolkenschleiern zeigte. Glücklich sollen wir sein, sagte uns eine Parkwächterin, nur 20 % aller Parkbesucher bekämen ihn zu sehen – er sei halt sehr schüchtern – der Denali.

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