Das Colorado Plateau und die südlich gelegenen Wüstengebiete bieten einen immensen Schatz verschiedenster Naturspektakel, denen wir weiterhin folgen. Wie bis anhin lassen wir uns jeweils in den Besucherzentren der State- und Nationalparks über Sehenswürdigkeiten informieren. Die mehrheitlich sehr netten sowie kompetenten Parkrangers und -rangerinnen sind immer hilfsbereit und geben gerne Auskunft über ihren Park und die Pflanzen- und Tierwelt des jeweiligen Gebietes. Auch sind städtische Touristenzentren immer wieder Anlaufstellen um an lokale Tipps zu kommen. Selbstverständlich sind Einheimische oder das Servicepersonal in Restaurants ebenfalls sehr nützliche Wegweiser. Wie in uralten Zeiten, als Wegweiser noch ein Beruf war, stehen sie bereit und geben gerne Auskunft über ihre persönlichen Ausflugsziele in der Umgebung. Falls wir uns verlaufen oder verfahren, sind dann die modernen Wegzeichen trotzdem hilfreich, nicht umsonst hatten sie ja die Wegweiser wegrationalisiert. Natur-, Kultur- und Kunstmuseen bieten Anstösse und Denkstoff, die uns dazu verhelfen, das oberflächlich Gesehene etwas tiefer zu erforschen und einzuordnen. Besonders die Beziehung der First Nations untereinander, zu der weissen Bevölkerung und zur Regierung stellt uns immer wieder vor Rätsel, denen wir in Kulturmuseen und Gesprächen etwas nachgehen können. Unabhängig von den Indianischen Schicksalen und den Untaten der weissen Konquistadoren ist es erschreckend und gleichsam frustrierend, was wir in Indianischen Reservaten oft zu sehen bekommen.

So abwechslungsreich und interessant das Reisen ist, so anstrengend es in Wirklichkeit ist. Unser Unterfangen gleicht einem energiereichen Menü, das wir aus einem Supermarkt der unerschöpflichen Möglichkeiten zusammenstellen: Grand Canyon; ein Stück der Route 66; Sunset Crater Volcano; Sedona, Jerome & Perscott (so unwiderstehlich wie Tiramisu); Phoenix die Wüstenstadt; Joshua Tree NP; Los Angeles; Santa Monica; Long Beach. Hochland, Wüste, Wälder und Städte – von allem ein bisschen auf dem Teller, vollgesogen mit Sinneseindrücken, nahe dem Überdruss.

Sind so viele Speisen verdaubar und erträglich?

Ja, wenn wir es zwischendurch langsamer angehen und längere Pausen einlegen, lange genug, dass sich ein gewisser Alltag einstellen kann, mit möglichst vielen Konstanten und fixen Abläufen. Wohnung putzen, dies und das flicken, Waschen, in der Hängematte liegen und Lesen sind zum Beispiel die vielen kleine Alltagsdinge, die dann erledigt werden können. Wie Kühe, die, wenn ihr Pansen voll ist, alles in Ruhe wiederkäuen. Auch Nächte im Freien verbringen, um zu versuchen, ein Stück auf der Milchstrasse zu gehen und von Galaxien zu träumen, die bestimmt nicht auf unserem Weg sind.

Eine zweiwöchige Regeneration bot sich in Flagstaff an, eine Kleinstadt, die eigentlich nicht viel zu bieten hat aber auf uns sehr einladend wirkte. Wir fühlten uns ein bisschen Zuhause, wir hatten unser Strassencafé, den Brotladen, den Biomarkt, in denen sie uns kannten. In dieser Stadt erhielt DaBa den 40’000 Km Service und neue Stossdämpfer vorne und Moni einen neuen Stiftzahn, ebenfalls vorne, und eine Zahnextraktion. Die Stossdämpfer waren verdient durch das Auffangen tausender Schlaglöcher und Monis Zahnextraktion durch eine monatelange Entzündung in der gespaltenen Zahnwurzel, derer sie auch mit Antibiotika nicht Meister wurde. Dass der angrenzende Stiftzahn zwei Tage nach dem Zahnziehen brach, war wohl Schicksal, ein Schicksal zu Glück der guten Kategorie. Ihr Flagstaff-Zahnarzt hatte in mehreren Sitzungen Zeit und Musse, den Stift neu zu setzen und eine neue Krone daraufzusetzen.

Eine andere grosse Reiseunterbrechung machten wir in der Umgebung von Los Angeles. Dort lockten die berühmten Beaches, Santa Monica, Manhattan, Long Beach, Huntington Beach (bester Surfstrand), an denen schön angelegte Fussgänger- und Velowege angelegt sind, die wir natürlich rege nutzten. Besonders beeindruckte uns die Getty Villa, in der ein Museum mit einer grandiosen Sammlung von Griechischer und Etruskischer Kunstwerken eingerichtet ist, allesamt Sammlungsstücke des verstorbenen, schwerreichen Ölmagnaten Paul Getty. Nicht minder beeindruckend ist die Walt Disney Concert Hall, ein architektonisches Meisterwerk avantgardistischer Baukunst. Da jeder Quadratmeter in der Umgebung von Los Angeles verbaut ist, gibt es nur ganz wenige Übernachtungsplätze für uns. Zum grossen Unglück vergass Julia (Roberts) den Türschlüssel ihrer Villa zu hinterlegen, wie sie mir vor drei Wochen versprach; auch war die Türe von John Depp verschlossen. Deshalb wichen wir auf Motels und B&B’s aus. Eine ganze Woche genossen wir ein ganz tolles B&B in Long Beach, wo sich Moni eine echte Goldsmith Sehbrille anpassen liess.

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