Wie die Seitenränder eines Geschichtsbuches kommen hier jahrmillionen alte Sedimentschichten zutage und bilden runzlige, pastellfarbige Hügel. Jede Seite dieses Buches erzählt uns die Geschichte einer Epoche der Erde, sofern man die Sprache des Inhalts versteht. Geologen und Paläontologen sind sich dieser Sprache kundig. Die einzelnen Seiten sind säuberlich geschichtete Ablagerungen einer längst vergangenen Zeit und jede Schicht kann gut von der Angrenzenden unterschieden werden. Die oberste Seite ist etwa 6 Millionen Jahre alt und die unterste etwa 40 Millionen Jahre. Die typische Färbung erhalten die Sedimentschichten durch unterschiedliche Mineralien und organisches Material, das bei der Gesteinsbildung zugegen war. Stark eisenhaltige Schichten, die bei eher warmen, feuchten Klima entstanden sind, leuchten zum Beispiel rot, während die im trockenen Klima entstandenen Schichten gelb erscheinen, kupferhaltige grün oder kalziumhaltige ganz weiss. Dies ergibt eine farbenprächtige Landschaft, die völlig fremd auf uns wirkt, irgendwie wie eine künstliche Mond- oder Märchenlandschaft. Nomen est omen: Painted Hills – bemalte Hügel. Die unterschiedlichen Sedimentschichten färben auch die Bäche, die sie durchschneiden, grünes, rotes, blaues, gelbes Wasser erinnern an unvermalte Farbe eines Malbuches. Am Abend, nach einer langen Wanderung mit Velo und zu Fuss, klebt an den Pneus unserer Velos und an den Schuhen tatsächlich verschiedenfarbiger Dreck mit 40 Millionen Jahren Altersunterschied!

Die Sedimente sind auch sehr reich an pflanzlichen und tierischen Fossilien, wie sie nirgendwo sonst auf der Welt in solcher Dichte gefunden werden. Deshalb ist das John Day Fossil Bed National Monument, zu dem auch die Painted Hills gehören, ein Schutzgebiet und das Mekka der Paläontologen und Geologen. Seit Jahren wird hier emsig nach Fossilien gebuddelt und alle Funde werden sorgfältig untersucht und entsprechend dem Fundort einer Sedimentschicht zugeordnet. Jeder Fund erzählt in sich eine kleine Geschichte und all diese zusammengereimt ergeben schlussendlich ein Bild, wie es hier zu den verschiedenen Epochen mal aussah. So wissen wir heute, dass hier nacheinander mindestens sieben Inlandmeere existierten, sich lebensfeindliche Epochen, mit andauernden Vulkanausbrüchen und meterhohen Ascheablagerungen, mit lebensfreundlichen Auenlandschaften, mit Flüssen und Wälder, abwechselten. Im geologischen Forschungszentrum, das Thomas Condon Paleontology Center in der Nähe von Mitchell, kann man Forschern bei der Arbeit an Fossilien zuschauen und viele Erklärungen bekommen.

Besonders viele Fossilien von Säugetieren, Vögel und Bäumen werden in einer etwa 30 Millionen Jahre alten Schicht gefunden, die immer noch stark der Erosion ausgesetzt ist. Diese Schicht stammt aus einer lebensfreundlichen, pflanzen- und tierreichen Landschaft mit Seen und Flüssen, in der viele Insekten, Urvögel und riesengrosse Säugetiere, Fische, Muscheln und vieles mehr lebten. Einige dieser Tiere und Pflanzen kommen uns sehr bekannt vor, da ähnliche Arten bis heute überlebten und sich nur wenig veränderten. Andere wiederum kommen uns fremd vor, da sie ausgestorben sind, wie etwa die Dreizehigen Urpferde, Säbelzahntiger, Bärenhunde und viele mehr. Ausgestorben, weil sie sich dem ändernden Klima nicht anpassen konnten. Der Mensch? Nein der war vor 40 Millionen Jahren noch nicht auf dem Planet zuhause. Erst vor etwa 300’000 Jahren richtete sich unser Vor-Vorfahre Homo Sapiens auf und versuchte den Gang auf zwei Beinen. Ja, so jung sind wir – obwohl bereits pensioniert.

Auf der Suche nach einem Übernachtungsplatz folgten wir ab der 207 einer Nebenstrasse mit einem Pfeil mit der Aufschrift Camping/Lodging -closed-. Diese Nebenstrasse führte uns inmitten der farbigen Schichten hinauf und hinauf, bis sie den Begriff Strasse verlor und nur noch Neben war – Daneben. Zu weit sind wir gefahren um umzudrehen, also 4×4 und Untersetzung rein und schon bald offnete sich aus dem Daneben eine Ebene mit einem Flugfeld, einem Hangar und einem Haus. «Ja ja, das ist schon ein Campingplatz, aber da die Strasse hier rauf seit einem Unwetter nahezu unbefahrbar sei ist er geschlossen! Aber da ihr so tapfer diesen Weg gefahren seid, könnt ihr neben dem Flugfeld übernachten. Im Hangar ist eine Toilette neben dem alten Piper. Passt auf, es ist dunkel dort drinnen, schlägt nicht die Köpfe an den Flügeln an» sagte uns der Besitzer des Flugfeldes. Neben der ehemaligen Tankstelle fanden wir einen tollen Platz.

Karte