Port Angeles, siehe Bericht USA, liegt an der Nordküste der Olympic-Halbinsel im Bundestaat Washington, die vom gleichnamigen Gebirge geprägt ist. Überall von der Küste her geht es in die Höhe und irgendwo zuoberst krönt die eisbedeckte Spitze des Mount Olympic auf 2500 Meter ü.M. Viele Wanderwege ziehen naturliebende Touristen an, doch zu dieser Jahreszeit sind wir noch fast alleine unterwegs, da die meisten Routen noch tief im Schnee versteckt liegen. Heute, am 26. März umfahren wir die Halbinsel auf der Küstenseite (Hwy 101), um so schnell wie möglich zu den langen Sandstränden von Oregon zu gelangen. Nach vielen Kilometer Regenwald und unattraktiven Orten, allen voran Aberdeen, finden wir einen ersten, über 20 Km langen Sandstrand bei Long Beach, der noch knapp im Bundesstaat Washington liegt. Das Wetter klart ein bisschen auf und schon stellt sich richtige Ferienstimmung ein, mit Spaziergängen/-fahrten am Strand, mit Velo oder Auto und mit Frühlingsputz unserer Wohnung. Die langen Unterhosen, HeizLi (Bettflasche) und die Winterstiefel werden auf den Estrich gehievt, die Sommerklamotten kommen runter.

Etwas weiter südlich überqueren wir den Columbia River, der Grenzfluss zu Oregon, über die imposante Astoria-Megler Bridge. Nun wird die Küste zunehmend dichter besiedelt und felsiger. Obwohl das Wetter nach wie vor regnerisch und bedeckt ist, wird die Fahrt zunehmend spannend. Besonders viele Seelöwen, alles Männchen, sehen wir in den schäumenden Wellen und Kliffen des kalten Ozeans. Sie tummeln sich hier unter sich, während die Weibchen weiter südlich im wärmeren Meer auf sie warten. In Newport bevölkern sie zu hunderten das Hafenpier, zum Ärgernis der Einheimischen, da sie ihnen nicht nur den Lachs wegfressen, sondern auch Holzstege und Boote zum Versinken bringen, weil sie mit ihren gefüllten Bäuchen darauf ausruhen wollen.

Im Gegenverkehr kreuzen wir auch tausende, lastwagengrosse graue Dinger, die wir jedoch nur an den Wasserfontänen erkennen können. Die grössten sind wohl gegen die 15 m lang und bringen bis zu 30 Tonnen auf die Waage! Es sind Grauwale auf der Durchreise von Mexiko zurück nach Alaska, in die nährstoffreichen Polarmeere, wo sie den Sommer verbringen werden. Im Winter amüsieren sie sich normalerweise im warmen Wasser von Baja California, wo sie sich entweder paaren oder nach der etwa zwölfmonatigen Tragezeit, die Babys auf die Welt bringen. Naja, Baby ist vielleicht nicht der richtige Ausdruck für das etwa 5 Meter lange und 500 Kilogramm schwere Säugetierchen. Das Meer war leider sehr wild, hohe weisse Wellen krachten überall an die Küste, und es war schwer diese Dinger von der Nähe zu sehen.

Etwas südlich von Florence beginnen die grossen Sanddünen. Bevor man sie sieht, hört man die dröhnenden Motoren der Quad-Bikes und Motorräder, die über die Sandlandschaft jagen. Dunes City ist das Mekka der dieselblutigen Jungs und Girls, Helm und Staublunge das Markenzeichen.

Genug Lärm, wir nehmen Abschied von der Küste und suchen das trockenere und wärmere Landesinnere auf. Über Eugene folgen wir dem McKenzie stetig bergauf, um das Küstengebirge zu überqueren, Kurve um Kurve dem McKenzie entlang. Schnee liegt noch am Strassenrand, hie und da sehen wir weisse Bergspitzen durch den Wald schimmern. Die Strasse kreuzt den McKenzie nie, es war jedoch McKinsey, die in den frühen Achtzigern meine junge Laufbahn als Doktorand an der ETH Zürich kreuzte. Effizienz steigern, Administrationskosten senken, Transparenz in den Personalfilz bringen, das war der Auftrag des Bundes an die blau geschalten Manager der McKinsey Consultants. Alle Mitarbeiter der ETH, inklusive wir Doktoranden, und wahrscheinlich auch Professoren, hatten Formulare auszufüllen, welche danach von den Sekretärinnen der blau geschalten McKinseyaner zu statistischen Grössen verarbeitet wurden, die dann wiederum von den Projektmanagern interpretiert wurden. Personalkosten reduzieren – immer einfach, kurzfristig. Manch eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter hatte wohl schlaflose Nächte in dieser Zeit, bangend um ihre Stelle. Besonders gut erinnere ich mich an zwei Personen: Hilfsassistent Knips (in seinem früheren Job knipste er die Tickets im Zürcher Tram, deshalb dieser Übernahme) und Jusuf, der Türkische Mitarbeiter im Putz Team unserer Etage. Ich weiss nicht mehr was mit ihnen passierte – aber ihr kennt das Spiel, noch immer gelten dieselben Regeln: Hilfspersonal entlassen, Dienstleistungen einkaufen, Putzpersonal entlassen, Putzleistung einkaufen. Fotokopierer bekamen mechanische Schlüssel, Kaffeemaschinen teurere Jetons, und wir Doktoranden mussten uns eine Assistenzstelle zu zweit teilen. Lilo hatte ab sofort die Schränke mit dem Papier, den Notizheften, Bleistiften und Kugelschreiber verschlossen zu haben. Irgendwie passierte aber nicht Grosses, so habe ich es zumindest in Erinnerung – es war, wie es so oft ist, wenn Consultants konsultiert werden müssen.

Fast ganz oben am Pass muss auch der McKenzie seine Federn lassen. In drei stiebenden Kaskaden stürzt er sich in ein Auffangbecken, von wo ihm über zwei, drei Turbinen Energie entzogen wird. Die McKinsey Manager verursachten beinahe so viel Schaum wie der McKenzie am Auslass der Turbinen.

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