Viele Holperstrassen führten uns weiter durch Oregons Südwesten, es ist anfangs April und uns begegnen in der Gegend von Malheur Lake, ungefähr bei Frenchglen, migrierende Zugvögel auf dem Weg nach Norden. Weisse Schneegänse und graue Graniche teilen sich die Weideplätze mit Rinder, hier und da stapfen langschnablige Godwits im Sumpf. Wir befinden uns im Luv der Steen Mountains, wo sich die heftigen Westwinde am sanft ansteigenden Bergzug entleeren. Schneefall, Sonne, Regen und kalter Wind wechseln sich ab und erzeugen wunderbare Landschaftsbilder. Erste zaghafte Frühlingsfarben laden vermehrt zu schönen Spaziergängen ein.

Damit wir so schnell wie möglich ins Lee der Steen Mountain zum trockenen Alvord Valley mit der gleichnamigen Wüste kommen, versuchten wir es nördlich des Gebirges mit einer Schotterstrasse, die grossräumig in die richtige Richtung weist. Nach etwa 80 Km erreichten wir eine Siedlung, dessen windschiefes Strassenschild den Namen Diamond verwies. Ein paar alte Häuser, ein etwas heruntergekommenes Hotel, zumindest war es als solches beschriftet, und ein Schulhaus sahen wir hinter dem Staubvorhang, der uns beim Abbremsen überholte. Ein Schulhaus inmitten der Pampa? Die Frage klang noch nach, als wir an einer nicht beschilderten Abzweigung vor der Wahl standen, der holprigen Strasse weiter zu folgen oder nach rechts abzuzweigen. Zum Glück parkte an der Seite ein 4×4 Truck und ein bärtiger, weisshaariger Mann stand daneben. Nach rechts, komme man ans Ende des Diamond Tales, dorthin, wo noch wilde Mustangs anzutreffen seien, und nach links auf eine Hauptstrasse, die dann östlich hinter den Berg führe, sagte er uns. Er erwähnte noch, dass es sich auf dem Weg um den Berg lohnen würde, beim Round Barn einen Stopp einzulegen. Nach einem ausgiebigen Schwatz erfuhren wir dann auch noch, dass er der Ehemann der Musiklehrerin dieser Schule sei, wo dieses Jahr vier Kinder unterrichtet werden. Die Vorbereitung auf die High-School sei hier viel besser als in vielen Grossstädten, beteuerte er uns, und auch den High-School Abschluss hätten bis jetzt alle geschafft. «Ja, wichtig, wenn ihr die Alvord Wüste durchquert, legt unbedingt einen Halt bei der heissen Quelle ein, dort könnt ihr euch vom knochenkalten Wind aufwärmen» rief er uns noch nach, als wir bereits eingestiegen waren um den Staubvorhang wieder zuzuziehen.

Klar stoppten wir dann beim Round Barn, staunten ob dem alten Gebäude und den Geschichten von Herr Jefferson, der in der 3. Generation Besitzer des einzigen Round Barn in Oregon ist. Sein Sohn und sein Enkel besuchten übrigens dieselbe Schule, dort im Diamond Valley. Der Sohn kam nach einem Studium in Agronomie auf die Farm zurück und der Enkel studiere Ökonomie; auch er komme zurück auf die Farm. «Glücklicherweise ist die Nachfolge kein Problem, die Jefferson Ranch wird bestimmt zwei weitere Generationen und damit dieses Jahrhundert überleben» sagte er uns mit grossem Stolz. Berühmtheit erlangte Herr und Frau Jefferson sen. in den Sechzigern als fliegende Cowboys. Sie waren die ersten, die Pferd und Cowboystiefel gegen einen Kleinhelikopter tauschten und die Rinder aus der Luft zusammentrieben. Stolz zeigte er uns im Familienmuseum sein Fotoalbum mit all den Zeitungsausschnitten und Fotos aus alten Zeiten. Leider leide er an Parkinson, deshalb fliege er nicht mehr, sagte er uns, aber seine Frau, mit 72 drei Jahre jünger als er, fliege noch heute denselben Kopter – zum Vergnügen, nicht mehr für die Arbeit, dazu sei ja sein Sohn jetzt zuständig, und später sein Enkel. 30’000 Rinder seien heute auf der Weide und der Round Barn werde bald ein National Monument.

Wir folgten also den Ratschlägen und fuhren in den Regenschatten der Steen Mountains bis zur Alvord Wüste. Bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt nahmen wir das Bad in der heissen Quelle, die in einer Betonmulde gefasst und mit Wellblech vom Wind geschützt ist. Nicht sehr ansprechend aber warm und nach ein paar Tagen ohne Dusche genau das richtige. Anderntags fuhren wir ein Stück auf dem weissen Mineralsalz der Wüste, exakt dort, wo 1976 der heute noch gültige Frauen-Geschwindigkeitsweltrekord in einer autoähnlichen Rakete auf Räder aufgesetzt wurde. Mit 82.50 Km/h waren wir immer noch 10-mal langsamer als Kitty O’Neil, aber der DaBa ist ja auch keine Rakete.

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