Die Amerikaner fürchten sich vor Mexiko, ihre Angst wächst proportional zum Quadrat des Abstandes zur Mexikanischen Grenze. «Ihr müsst verrückt sein, nach Mexiko zu reisen» tönte es hie und da, als wir von unserer Reiseroute erzählten. Aussagen wie, «Nehmt euch in Acht vor der Polizei und vor Kriminellen», «in Mexiko sind alle korrupt», «geht niemals alleine abseits der Hauptstrassen», hörten wir zuhauf. Tatsächlich verursachten die jüngsten Reisewarnungen der USA für Touristen in Mexiko Verwirrung und auch ein bisschen Kritik. Politischer Druck aus Washington meinen die einen, realistische Einschätzung die anderen. 25’000 Ermordete im letzten Jahr spricht für sich – als Zahl. Hingegen waren diese Tote Opfer des Drogenkartells, oder Journalisten und Oppositionspolitiker, sind wir dann sicherer als Touristen? So sicher wie in Paris, Barcelona oder Neapel?

Die langgezogene Halbinsel Baja California, die 1200 Kilometer parallel zum Mexikanischen Festland südwärts verläuft, wird anders gesehen: Nicht als Mexiko, sondern eher als Enklave der USA, obwohl gerade dort sich rivalisierende Drogenkartelle aufreiben. Dabei liegt es weniger im Namen dieser Mexikanischen Halbinsel, sondern eher darin, dass viele junge Nordstaatler ihre Ferien dort verbringen, wo amerikanische Studenten ihren Abschluss kosteneffizient besaufen und wo auch viele pensionierte Amerikaner in ihren Wohnmobilen (mobile Mehrzimmervillen) überwintern; «Weisshaarige Snowbirds» werden sie auch genannt.

Mit Respekt, Voraussicht und Aufmerksamkeit überquerten wir am 17. Juni die Grenze in Tecate und waren bald gefangen von der Herzlichkeit der Mexikaner. Es ist nicht mehr die kühle, leise Freundlichkeit der Kanadier, die laute, überschwängliche der Amerikaner, sondern eine warme, liebenswürdige Freundlichkeit die uns hier empfängt. Über die Routa del Vino fahren wir südlich durch das Valle Guadalupe, gesäumt von mehreren Bodegas mit einladenden offenen Toren. Kurz vor Ensenada stoppten wir beim Weingut Liceaga zu einer Degustation. Ein Syrah/Merlot tat es uns besonders an, aber auch der Rose, der Süsse…, mit etwas Mehrgewicht fuhren wir weiter.

Relativ zügig folgten wir der Pazifischen Küste, die nicht besonders einladend auf uns wirkte. Hohe Wellen, kühles Wasser und menschenleere Sandstränden folgten sich bis runter nach El Rosario de Abajo. Bis März war hier viel los, zu Wasser und zu Land, doch Ende Juni waren die Wale bereits wieder im futterreicheren Alaska und mit ihnen die Snowbirds im wärmeren Norden. Wir durchqueren die trockene Wüstenlandschaft in kurzer Zeit und halten uns nirgends mehr als drei Tage auf. Kleine Velotouren und Spaziergänge sind die Abwechslung in dieser so kargen wie heissen Gegend.

Weiter südlich trafen wir auf wunderbare Sandstrände, einladende Ortschaften und viel Natur. Als Gegensatz zeigte sich die Südspitze mit den Städten Cabo San Lucas und San Jose del Cabo, die beide in Amerikanischer Hand zu sein scheinen, vergleichbar mit der deutschen Ballermannbesatzung in Mallorca. Strandsüchtige Aussteiger und Künstler fanden hier ihr Paradies, was durchaus zu verstehen ist, bei dieser schönen und klimatisch angenehmen Gegend. Doch für uns ist nach knapp drei Wochen genug und wir nehmen von der Südspitze am 4. Juli die Fähre rüber zum Festland von Mexiko.