Wie die Perlen einer Halskette reihen sich im zentralen Hochland Mexikos die Kolonialstädte aneinander. Jede hat ihren eigenen Charme, glänzt in einem anderen Licht, in einer anderen Farbe und trotzdem gleichen sich alle in ihrer grundlegenden Struktur und Architektur. Es sind die versteinerten kolonialen Erbstücke der Spanier, wovon einige UNESCO Weltkulturerbe sind oder das Attribut «Pueblo Magico» tragen, das mexikanische Pendent zum schweizerischen Wakkerpreis. Die damit ausgezeichneten Städte sind durchwegs gepflegte und sehenswerte Orte mit typischem Charakter. Auf der Suche nach der schönsten Perle folgten wir dieser Kette, drehten jede Kugel mehrmals und besonders aufmerksam, damit wir ja nichts verpassen. Nun, welche ist es denn, die das Rennen um die ‘Best off’ gewann?

Als eine der schönsten und sympathischsten fanden wir zweifelsfrei Oaxaca, die nicht nur kolonialen Reichtum ausstrahlt, sondern auch den Stolz der einstigen Urbevölkerung, der Zapoteken, erahnen lässt. Die Interessanteste hingegen war Guanajuato, eine quirlige Studentenstadt, eingezwängt zwischen Bergen, welche bis weit hinauf mit schrill angemalten Häuser zu einem bunten Flickenteppich bedeckt wurden. Früher lieferten Guanajuatos Minen Unmengen an Gold und Silber, die Stadt war im 17. Jahrhundert sogar die weltgrösste Produzentin von Silber, das in die alte Welt exportiert wurde. Dies widerspiegelt sich heute nicht nur durch die vielen reich verzierten Kolonialbauten, sondern auch im Netz von Minenschächten und -Gängen unterhalb der Stadt. Dieses unterirdische Tunnelgewirr wurde irgendwann in den neunziger Jahren geschickt ausgebaut und wird heute als unterirdisches Straßenverkehrsnetz genutzt. Damit konnte man einen Teil des Verkehrs buchstäblich vergraben und die engen, oft steilen Gassen und gepflasterten Strassen den Fussgänger überlassen. Eine Gasse, so beschrieb es unser Führer, sei so eng, dass man sich von Balkon zu Balkon über der Gasse küssen könne, was auch schon zu Streitereien zwischen gehörnten Männern geführt haben soll oder zu pressanten Hochzeitszeremonien in nicht zu engen Brautkleidern. Guanajuato pflegt ihre UNESCO Auszeichnung mit aller Vehemenz. Es gibt weder Neonreklamen noch Verkehrsampeln und selbst Starbucks und McDonald müssen ihre Läden diskret beschriften.

Dieser Kette folgend fanden wir auch die mexikanische Seele. Sie ist bunt, lebensfreudig, rhythmisch, warm und überaus herzlich. So richtig zum Anbeissen und lieb haben wir sie gewonnen, die Hochland-Mexikaner. Sie passen zu den farbenfrohen Städten, das scharfe Essen, die filigranen Kirchenfassaden und zum erdigen Ton der Marimba. Stolz auf ihr Land und ihre Kultur, kann man den Mexikaner auf gar keinen Fall absprechen, sie sind immer gerne bereit, etwas über ihre Region zu erzählen. Eher wortkarg halten sich hingegen die Indianische Bevölkerung, verständlicherweise.

Ein Abstecher von der Perlenkette führte uns eine steile Bergstrasse hinauf, auf den Paso de Cortés, zwischen den majestätischen Vulkanen Popocatépetl und  Iztaccíhuatl (versucht dies mal auszusprechen 😉 auf zirka 3700 Meter Höhe. Aus dem etwas höheren ‘Popo’ ist immer wieder mal mit einer Rauchfahne zu sehen, während der Iztaccíhuatl, eigentlich ein Zwillingsvulkan, der seit einiger Zeit inaktiv ist und deshalb zu einem Besteigen einlädt. Allerding ragt der höchste Punkt mit 5230 Meter aus einem Gletscher raus, den man besser mit Steigeisen und Pickel überquert. Wir haben ja viel bei uns im DaBa verstaut, Zelt, Schlafsack, Bergschuhe, Strandschuhe und Flip-Flops – aber Pickel und Eisen doch dann nicht. Trotzdem machen wir uns nach einem Tag Akklimatisation auf den Weg. Noch heute habe ich den schrecklichen Klang des Weckalarms in den Ohren, der uns um Vier aufforderte, die Besteigung bis zum Biwak des Iztaccíhuatl in Angriff zu nehmen. Nach 6 Stunden, wir waren inzwischen kaltschnäuzig am Biwak vorbeimarschiert, ging uns dann doch die Luft aus, und knapp unter 5000 Meter erklärten wir den Seitengipfel als unser erreichtes Tagesziel. Ein paar Tage später kurierten wir den Muskelkater in einem blauen Fluss, der auf kürzester Strecke über vier Felsbarrieren herunterstürzt. Sinnigerweise nennt sich dieses Gebiet Cascades Velo de Novia, was so viel wie ‘Brautschleierfälle’ heisst.

Wegen der Höhenlage zwischen 2000 bis 2500 Meter über Meer, war das Reisen sehr angenehm mit warmen Tagen und kühlen Nächten. Oft übernachten wir in Hotels und nur zwischendurch auf einem abgelegenen Platz in Parks, Hinterhöfen oder offiziellen Campgrounds oder einsamen Bergen.

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