Hallo Kolumbien, wie nimmst du uns auf? Mit allem was man in Europa über dich hört, Drogen und Kriminalität oder mit Saltos und meterhohen Luftsprüngen? In einem wunderschönen Hotel, ein bisschen ausserhalb der Festungsmauern der Altstadt von Cartagena de India, nisten wir uns ein und vertreiben die Zeit mit Ausruhen in den blauen Stühlen vor dem Haus, mit Spaziergängen und Velotouren in und um die Stadt.

Wir erwarten die Ankunft unseres Autos in etwa einer Woche, also genügend Zeit, die Kolonialstadt näher kennen zu lernen, von der behauptet wird, dass sie eine der schönsten in Südamerika sei und seit 1984 UNESCO-Weltkulturerbe ist. Eindrücklich ist die Festungsmauer aus dem 16. JH, die den alten Kern der Stadt immer noch einschliesst und diesen zum touristischen Highlight macht. Das Eldorado der Moderne: Nicht mehr unermessliche Goldquellen lockt die modernen Konquistadoren hierher, sondern die schönen Kolumbianerinnen, die das karibische Nachtleben anfeuern. Im Champeta, Rumba oder Salsa Fieber lässt sich das Herz besonders leicht verlieren. Wir sehen wir viele blonde Touristinnen an knackigen Kolumbianer hängen, die nur allzu gerne Nachhilfeunterricht in Spanisch geben oder hellhäutige Touristen in enger Umarmung mit Kolumbianerinnen, angetan von den knackigen Hintern und schwebenden Busen dieser wunderbaren afrokaribischen Geschöpfe. Moni und ich lassen uns treiben in den bunten Gassen. Vor dem Lokal mit der langen steilen Treppe, von der laute Salsa Töne runterpoltern, machen wir nicht lange Halt. Zielstrebig steigen wir der Musik entgegen und bekommen unsere erste Salsa Lektion.

Dann ist es soweit. Zum zweiten Mal stehe ich vor dem Sicherheitscheck des Hafenterminals in Cartagena, das schweissnasse T-Shirt klebt an meinem Rücken und ein kleines Rinnsal fliesst an der Wirbelsäule runter in die Hose, die Füsse kochen in den Turnschuhen. Es ist der 18. September, 13:30 Uhr, die Sonne brennt auf den Betonboden des Containerhafens, bei 38 °C und über 90 % Luftfeuchtigkeit. Gestern standen wir auch schon hier. Schlussendlicht klappte der Eintritt wegen einem fehlenden Stempel der Einfuhrbehörde nicht. Ob wir heute alles haben? Neben mir warten Alex und Oliver, ihre Autos wurden ebenfalls mit der SUZUKA EXPRESS verschifft. Abwechselnd stehen wir im Schlagschatten des leicht vorspringenden Daches des Kontrollgebäudes, der etwa 40 cm Schutz vor der Sonne bietet. Nervös schieben wir unsere Versicherungskarte, die Temporäre Einfuhrbewilligung für das Auto, die Bill of Loading, unsere Passkopien und den Abholschein von der linken Hand in die rechte, fein säuberlich darauf bedacht, sie nicht vom Schweiss auflösen zu lassen. Dann kam um 14:30 vom Schrankenwart das erlösende «Okay, ihr könnt euren Autos abholen». Aber ohalätz, zu Fuss geht hier nichts, wir müssen uns nochmal eine Viertelstunde gedulden, bis uns der Mitsubishi Truck zwischen all den Containern hindurch zu unseren Autos bringt. Da steht er, der DaBa, mit all den Schlössern und Kabelzügen dran, mit der hölzernen Absperrwand zwischen Fahrerkabine und Hinterteil intakt. Kein Kratzer, nichts fehlt. Judihui, wir sind wieder Camper! Schnell steige ich ein, drehe die Klimaanlage auf Vollkühlung und im Dreierkonvoi suchen wir uns den Weg zurück zur Hafenkontrolle, wo wir am Schlagbaum den Passierschein abgeben. Mit einem herzlichen «viaja bien» liessen sie uns ziehen. Vergessen sind die zwei letzten Tage mit Warten in unterkühlten Grossraumbüros der Hafenadministration, Einfuhrbehörde und bei unserem Transportagent Ernesto Enlace. Wir verlassen die touristische Stadt und suchen das Landesinnere auf, die Regenwälder, Wüsten, schroffen Berge, grünen Hügel und riesige Städte.

20. September

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