Seine Werke spielen hauptsächlich mit den drei Elementen Wasser, Wiese und Wald. Sie sind sehr eigenwillig und nachhaltig gebaut und nehmen Einfluss auf die bestehende und zukünftige Nutzung. Er ist gleichzeitig Architekt, Baumeister, Biophysiker, Ingenieur und umsetzender Arbeiter – alles in einer Person. Wir hatten heute, an diesem regnerischen Tag, Glück, ihn hier im Algonquin Provincial Park zu treffen und eines seiner Meisterwerke besuchen zu können. Auf unserem Rundgang durchquerten wir auf glitschigem Untergrund zuerst die gross angelegte Wiese, umrundeten dann den künstlichen See und kletterten am Ende auf das naheliegende Cliff. Von dort hatten wir den vollkommenen Überblick, lediglich getrübt vom starken Regen. Dass er sich bei seinen Projekten grundsätzlich nie nach staatlichen Gestaltungspläne richtet und weder Umweltverträglichkeitsprüfungen durchführt noch andere Umweltpolitische Instrumente berücksichtigt, erstaunt nicht, wenn man bedenkt, dass er Analphabet ist. Trotzdem scheinen seine Projekte im Einklang der Natur zu sein und bilden durch seinen gestalterischen Einfluss neue Siedlungsorte für viele Pflanzen und Tiere. Wasserlilien, Schilfgräser, Ringschnabelenten, Frösche, aber auch grösseres, wie etwa der Elch, kommen von weit her um hier das neue Siedlungsgebiet zu besetzen. Früher, bevor er dieses Projekt vollendete, stand hier ein Wald durchquert von einem rieselnden Bach. Von unserem Aussichtspunkt hätten wir lediglich Baumwipfel, anstelle dieser Seenlandschaft, gesehen.

„Woher meine Motivation kommt?“

Auf die Frage, wie er denn genau auf diese Landschaftsgestaltung gekommen sei, und woher er die Motivation für solch gigantische Projekte nehme, antwortete er: »Na, weisst du, eigentlich habe ich kein Grundkonzept dafür, es liegt einfach in meiner Natur, in meinen Genen sozusagen. Höre ich das Geräusch von fliessendem Wasser, dann packt mich ein eigentlich vernunftloser Instinkt, der mich zum Bau eines Dammes antreibt. Genau dort, wo das Fliessgeräusch des Wassers am lautesten ist, fange ich mit dem Fällen der Bäume an und schon bald staut sich das Wasser. Natürlich ist dann die grösste Herausforderung, den Damm mitwachsen zu lassen. Dazu lege ich mehrere Nachtschichten ein. Das Fällen eines Baumes, von sagen wir mal 50 cm Durchmesser, beschäftigt mich eine ganze Nacht. Ja, ich arbeite am liebsten nachts».

Diese Aussage versetzte mich in fasziniertes Staunen, denn ich konnte mir nicht vorstellen, wie er denn den ganzen Wald umschlägt. Auf meine Frage lächelte er und sagte: «Also ich arbeite ja zusammen mit der Natur. Wenn das durch mein gestautes Wasser zu einem See gewachsen ist, sterben die Bäume von selber ab. Sie fallen um und vermodern. Vieles von diesem Holz benutze ich dann, um den Dam weiter auszubauen. Auch finde ich meine Nahrung, Baumrinde, Lilienstängel oder Wurzelstücke auf dem Seegrund. Deshalb baue ich auch mein Haus inmitten des Sees, mit den Eingängen unter Wasser und dem Schlafzimmer im 2. Stock, sozusagen über Wasser. Genug Platz für mich, meine Frau und vier Kinder».

Okay, wir sind inzwischen durchnässt vom Regen und verabschieden uns vom Landschaftsgestalter mit einem letzten Blick auf den Beaver pond. Auf dem Rückweg zum Daba winken wir dem sympathischen Kerl ein goodbye zu. Sein Zuhause nannte er leicht untertrieben Haus. Moni und ich würden seinen Bau eher mit einer High-Tec-Burg vergleichen. Denn mit der Dammhöhe kontrolliert er den Wasserstand, damit sein Schlafzimmer immer über Wasser steht, auch jetzt, da wir im Radio von den Überschwemmungen in Quebec und Ottawa hören.

Es regnet seit einer Woche fast ununterbrochen. Gestern fiel in Quebec in einem Tag mehr Wasser, als im Monat Mai des Vorjahres. Wir fahren weiter in Richtung Westen, irgendwann kommt der Frühling bestimmt.

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