Wir verlassen den wunderschönen Killarney Park und fahren die knapp 90 Km zurück, um nach Sudbury auf die Transkanada Highway zu kommen. Ein Bärenmännchen grast am Strassenrand und lässt sich von den vorbeifahrenden Autos nicht stören – Fressen ist jetzt wichtiger!

In der Stadt finden wir einen Waschsalon, wo wir endlich unsere Kleider waschen können. Danach geht die Reise weiter nach Sault St. Marie. Diese interessante, obwohl nicht besonders sehenswerte Stadt, liegt an den flachen Wasserfällen zwischen Lake Huron und Lake Superior. Diese Stelle war früher überaus fischreich und damit schon vor über 2000 Jahren ein strategisch wichtiger Ort im Handel zwischen verschiedenen Indianerstämmen. Die ansässigen Ojibwa tauschten ihren Forellenfang mit Mais, Tabak, Ahornzucker und vieles mehr. Laut Überlieferungen konnte ein eingespieltes Dreierteam innerhalb einer Stunde über 200 Kg Fisch ins Kanu ziehen. Im 19. Jahrhundert tauchten dann weisse Siedler, darunter viele französische, mit neuen Technologien und Handelsbeziehungen auf und wie durch einen Magneten zogen Missionare, Industrielle, Vaganten, Abenteurer und vor allem Skrupellose nach. Die First Nations, mit ihnen der ursprüngliche und wohlklingende Stadtname Baawitigong (Platz der Wasserfälle), mussten weichen, und der strategisch wichtige Ort wurde durch eine befahrbare Schleuse und einem Kraftwerk ausgebaut. Im 19. Jahrhundert war dies die grösste elektrisch betriebene Schleuse der Welt und spielte eine wichtige Rolle im West/Ost Transport. Noch heute durchfahren riesige Containerschiffe die Schleusen auf der Fahrt vom Atlantischen Ozean nach Thunderbay, eine Strecke von fast 4000 Km!

Auch wir fahren weiter in Richtung Westen, dem grossen Lake Superior entlang. Nicht umsonst trägt der See diesen Namen, er verdient ihn in allen Belangen. Er ist weltweit der grösste Süsswassersee mit einer Fläche auf der die Schweiz gleich zweimal Platz fände und enthält 10% des weltweit vorhandenen Oberflächen-Süsswassers. Sein Umfang abzufahren würde uns gleich weit bringen wie von Bischofszell nach Moskau UND zurück!

Sein ozeanisches Temperament lernten wir auf dem Weg zum Pukaskwa Park kennen, als er mit weissen Wellenkronen die Felsen peitschte. Doch einen Tag danach, liebelt er mit seiner spiegelglatten Oberfläche mit dem Granit des Kanadischen Schildes. Eine lyrische Kraft stecke in ihm – sagten die Maler der Group of Seven, und nicht nur sie. Auch wir sind nach wie vor fasziniert von ihm und seiner wilden Umgebung, von den Wäldern, den Flüssen und Felsen.

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