Wir fahren das kurvige Tal hinauf gegen die Sierra de los Cuchumatanes einem Gewitter entgegen. Dunkle Wolken türmen sich vor uns auf, in der Ferne noch, aber wer weiss, wohin sie sich bewegen. Hinter uns liegt der Grenzübergang La Mesilia, von Mexiko nach Guatemala. Einmal mehr passierten wir heute Morgen eine Grenze zügig und ohne geringste Probleme. Wir kannten ja den Prozess in groben Zügen, der sich in etwa überall ähnelt. Der Zollbeamte in Mexiko drückte uns den Ausreisestempel in den Pass und wünschte uns eine gute Weiterreise. Darauf schickte man uns mit dem Auto zum Desinfektionsprozedere. Dazu mussten wir durch eine Art von Autowaschanlage hindurchfahren, deren Waschdüsen ein Desinfektionsmittel auf und unter das Auto sprühte. Nach Bezahlung dieser Behandlung verwiesen sie uns zum Immigration Office der Guatemaltekischen Zollbehörde, wo wir gegen Bezahlung einer ‘Bearbeitungsgebühr’ eine neunzigtägige Aufenthaltsbewilligung in den Pass gestempelt kriegten. Mit dieser Bewilligung in der Hand konnten wir im Haus nebenan bei der Einfuhrbehörde die Temporäre Einfuhrbewilligung für das Auto beantragen, die wieder gegen eine Administrationsgebühr einfach zu erhalten war. Noch fehlte die Autoversicherung um weiterzufahren, aber auch dies war ein einfacher Prozess, weil verschiedene Versicherungsanbieter ihre Büros in der Nähe der Zollstelle hatten. Zwischendurch erfolgte ein etwas hektischer Prozess, das Geldwechseln. Eine Grosszahl an Händler wieselte kurz vor oder zwischen den Zollschranken auf der Strasse herum, und wedelten, Aufmerksamkeit erheischend, mit dicken Bündeln von Geldscheinen. Wir tauschten die verbliebenen Mexikanischen Pesos mit Guatemaltekischer Quetzals und wieder hatten wir uns an eine neue Währung zu gewöhnen. 1 Quetzal entspricht etwa 13 Rappen.

Das Wetter meint es gut, das heftige Gewitter entlud sich hauptsächlich vor uns und wir werden lediglich von ein paar heftigen Ausfransungen gestreift. Die uns entgegenkommende braune Brühe bezeugt die Stärke des Regens, die Strasse wird zu einem Bach, der nun als Müllabfuhr dient. Plastik Chips-Tüten, PET-Flaschen, Gemüseabfälle eines Marktes und weiterer Müll fliesst uns entgegen, den wir buchstäblich flachfahren, dass es knirscht unter den Pneus. Der Strassengraben verschwindet im Wasser und kleine Wasserfälle spritzen den tiefen Abgrund hinunter. Nach einigen Kilometer ist uns klar; Guatemalas Strassen sind holperig und das Strassennetz weniger gut ausgebaut als in Mexiko. Wir müssen also dranbleiben, damit wir unser Ziel, den Lago Atitlan, noch vor Einbrechen der Dunkelheit erreichen können. Nach einer langen fünfstündigen Fahrt, stehen wir endlich am steilen Abgrund zum See. Eingerahmt von drei Vulkanen zeigt er sich als traumhafte Kulisse, derentwegen er auch als ‘der schönste See der Welt’ bezeichnet wird. Moni und ich sind uns jedoch schnell einig, dass der Vierwaldstättersee, von der Rigi aus betrachtet, kein bisschen schlechter dasteht, im Gegenteil, ihm sogar mehr als nur das Wasser reichen kann. Nichtsdestotrotz, kann man dem Lake Atitlan eine mystische Aura nicht absprechen, besonders wenn er sich mit Nebelschwaden verschleiert gegen den Abendhimmel absetzt.

In Panajachel, einem touristischen Örtchen am Seeufer, finden wir im Garten eines Hotels einen Superplatz für ein par Tage, Zeit genug, für allerlei Reparaturen und Frühlingsputz im Auto. Den Hotelpool dürfen wir, warum auch immer, nicht benutzen – aber ihr kennt uns ja 😉. Der Weg ins Dorf Panajachel führt an allerlei schönen Blumen vorbei aber das Dorf selber, gefällt uns überhaupt nicht, viel zu touristisch, kitschiger, billiger Tourismus, einer, der überhaupt nicht hierhin passt, wie auch die harten Jungs und Mädchen auf den Töffs nicht.

  1. – 13. August 2018
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