Aber Schneewittchen hinter den sieben Bergen, bei den sieben Zwergen, ist noch tausendmal schöner als ihr.

Spiegelein, Spiegelein ......

Juneau ist hinter unüberwindbaren Bergen, ausgedehnten Gletschern und Eisfeldern am Rand des Stillen Ozeans, in einem Labyrinth von unzähligen Inseln versteckt. Obwohl unerreichbar per Auto, hat diese Stadt nicht keine Strassen, nein, sie hat sogar deren viele, denn die gut 30’000 Einwohner bewegen sich vornehmlich mit grossen Autos. Eine Besonderheit mag darin liegen, dass die meisten Strassen halt Sackgassen sind, mit Ausnahme der Ringstrassen und Kreisel. Seit Anfang des 20. JH ist Juneau die Hauptstadt des US Bundesstaates Alaska (trotz den Sackgassen) und Universitätsstadt (trotz der Sackgassen) was hoffentlich kein schlechtes Omen für die Karriere der Beamten, Professoren und Studenten ist.

Weiss gekleidet liegt Juneau bei unserer Ankunft am Sonntag um 9 Uhr abends da. Sie liegt dezent beleuchtet hinter einem Flockenvorhang in einem schneeweissen Schleier da und scheint so schön zu sein wie Schneewittchen. Genau 29 Stunden haben wir Zeit diese Schönheit zu erkunden, dann werden wir mit der nächsten Fähre nach Prince Rupert in Kanada weiterziehen (das ist kein Märchen). Deshalb packen wir alles in einen Tag! Mendenhall Gletscher, Red Dog Saloon, Alaska State Museum (geschlossen) und Spaziergang durch die Altstadt, dann, vollgesehen, vollgegessen und erschlagen, Übernachten auf dem Fährenparkplatz vor geschlossenem Fährenterminal. Nachts um 2 aufstehen, zum Einchecken in das inzwischen beleuchtete Schaltergebäude gehen, am einzigen beleuchteten Schalter freundlich anklopfen um kurz darauf in ein fragendes Gesicht zu schauen, das nichts sagt aber man diesem ansieht, dass es denkt: «was zum Teufel will der hier? Er wird es mir bestimmt gleich sagen». Klar sagte ich es ihm: «Bitte einchecken nach Prince Rupert, meine Reservationsnummer AC26589, mit 2-Bett- Aussenkabine». «Ah, ich sehe in meinem Buch keine Fähre heute nach Prince Rupert» sagt das Gesicht, «die Fähre ist im Dock wegen unvorhergesehenen Unterhaltsarbeiten, hat man das ihnen nicht per mail geschrieben?» «Nein hat man nicht – und jetzt?» «Kein Problem, sie bekommen das Ticket selbstverständlich zurückerstattet». «Moment» würgte ich, «wenn das Ticket zurückerstattet wird, bedeutet das dann, dass wir hier überwintern müssen, mit dem Auto geht’s ja nicht über Sackgassen hinaus!» «Alles halb so schlimm, in einer Woche fährt die nächste, und sie sind bereits auf diese umgebucht»

Eine Weile sahen wir rabenschwarz!

So wurde also aus Prince Rupert doch so halbwegs ein Märchen und wir bekamen die Gelegenheit, Schneewittchen eine weitere Woche geniessen zu dürfen. Zum Glück war der Mendenhall RV Park offen und bot uns eine günstige Gelegenheit zum Campieren. Ein Wochenabonnement im Alaska Fitness Club mit Whirlpool und Sauna half uns über vieles hinweg – und natürlich die wunderschöne Winterstimmung, die uns auf unseren Wanderungen unter anderen zum Herbertgletscher, zum Echo Cove und zu den Nugett Falls begleitete.

Eine Woche später klappte es dann, wir bezogen unsere Kabine auf der MV Kennicott, zusammen mit 48 Passagieren und 6 Autos. Platz hatten wir zum Versauen, da die Fähre 500 Passagiere und 120 Autos aufnehmen kann, was im Sommer offenbar Alltag ist. Dreimal schlafen bis Prince Rupert, genug Zeit Schneewittchen nachzutrauern und die imposante Umgebung in den rasch wechselnden Wetterbedingungen zu verfolgen – und natürlich auch Zeit sich der Hoffnung hinzugeben, dass ein Prinz Schneewittchen doch noch vom Tod auferwecken möge – was garantiert im nächsten Frühling mit dem Einsetzen der ersten Touristenströme passieren wird.

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