Der mächtige Klondike trägt rötliches Wasser von den über 150 Km entfernten Ogilivie Mountains in die sanfte Biegung des mächtigen Yukon Rivers und formt ein Stück flaches Land in die holprige Natur. An dieser Mündung liegt die Sommersiedlung der Tr’ondek Hwëch’in, sie nennen das Gebiet Thron-diuck, was Fluss voller Fische bedeutet. Bereits seit Jahrhunderten fischen die Einheimischen hier die Lachsweibchen, die zu Tausenden im Spätsommer flussaufwärts zu ihrem ursprünglichen Geburtsort zurückkehren. Sie fangen so viele Exemplare, wie sie als Vorrat für die bevorstehenden Wintermonate benötigen und hängen sie zum Trocknen auf.

Einige weisse Pelzjäger, die scharf auf Biber-, Caribou- und Grizzlyfelle sind, kennen den Ort ebenfalls sehr gut, denn sie betreiben hier schon seit 1570 regen Tauschhandel mit den Einheimischen. Robert Henderson ist einer von ihnen. Er ist nicht ausschliesslich am Tauschhandel interessiert, sondern auch an den auffällig vielen farbigen Mineralien, die er 1894 in einem Nebenfluss des Klondike findet. Er wusste zu diesem Zeitpunkt, dass ein paar hundert Kilometer südöstlich, am Stewart River, seit 10 Jahren Gold gewaschen wurde. Gute Tage hätten bis zu 100 Dollar ergeben, hörte er sagen, und ein paar hundert Goldsucher teilten sich dieses Gebiet unter sich auf, geübte, erfahrene Männer. Angestachelt von dieser Kenntnis versuchte Robert sein Glück am Klondike. Tatsächlich fand er ausserordentlich grosse Goldklumpen im kleinen Nebenfluss Rabbit Creek, aber er hatte weder die Erfahrung noch den Ehrgeiz, professionell ans Werk zu gehen. Ihm erging es genau wie Jari Sibrava, der mir vor etwa 40 Jahren mal erklärte, dass er eher am Finden und weniger am Haben interessiert sei. Er meinte dies rein wissenschaftlich, es faszinierte ihn dannzumal die Theorie mehr als die Praxis und er erklärte dies anhand der Metapher: «Ich sage wo das Gold liegt, graben können die anderen» (Oder wollte er einfach keine dreckigen Finger kriegen? Bin mal gespannt auf seinen Kommentar). Jedenfalls genauso verhielt sich Robert Henderson. Er war überzeugt, dass da etwas unerwartet Grosses verborgen ist und er erzählte dies seinem Indianerfreund Skookum Jim Mason. Damit setzte er einen Keim in die Welt, der 2 Jahre später zum grössten Goldboom aller Zeiten anwachsen sollte. Skookum vergewisserte sich selber und er fand ebenfalls grosse Goldstücke im Rabbit Creek und auch in anderen Nebenflüssen des Klondike. Er und sein Schwager Georg Washington Carmack setzten darauf am 17. August 1896 den ersten Claim am Rabbit Creek auf ihre Namen.


 

Das Monster des Klondike Goldrausches war geboren

Geburtshelfer waren die Wirtschaftskrise in den USA, der sinkende Silberpreis, die Einführung der Goldwährung in allen wichtigen Industriestaaten und die damit zusammenhängende steigende Nachfrage an Gold. Lokal verbreitete sich der Fund am Klondike wie ein Lauffeuer, und schon bald war die Gruppe um Skookum  und Carmack nicht mehr alleine. Ein paar Dutzend Goldsucher vom Stewart River stiessen hinzu und sie alle wurden fündig, konnten sozusagen absahnen. Die Siedlung bekam einen Namen: Dawson City. Niemand ahnte, dass diese Stadt in 2 Jahren über 30’000 Einwohner zählen würde. Der Rabbit Creek wurde in Bonanza Creek umgetauft.

Im Juli 1897 trafen 68 schwer beladene Männer per Schiff in Seattle ein, im Gepäck Gold im Wert von fast einer Million Dollar. Die Nachricht von den Goldfunden in Klondike wurde viral, sie infizierte ein Heer von Glücksritter, Abenteurer, Köche, Bauarbeiter, Anwälte, Bürolisten, Arbeitslose, einfach alle, die gerne schnell reich werden wollten. Händler, Unternehmer, Unterhalter und Tänzerinnen rochen neue Geschäftsmöglichkeiten um das Gold aus den Taschen der Goldgräber zu fischen. Über 100’000 Leute machten sich auf den Weg nach Dawson City, in die noch kleine Indianersiedlung am Klondike. Bis Skagway mit dem Schiff, dann die rund 700 Km zu Fuss, per Hundeschlitten und selbst gezimmerten Booten über den eisigen White Pass, den extrem beschwerlichen Chilkoot Trail dem Yukon entlang bis Dawson City. Reich werden war der Masterplan der Glücksritter. Schnee und eisbedeckte Pässe, Stromschnellen, Temperaturen bis -50 °C und andere Gefahren verloren sich als Details im Gewebe der Gewinnrechnung und nur einige wenige schafften es wirklich bis zum Ziel.

 

Wir nahmen einen Teil des Trails 120 Jahre später unter die Räder, bequemer, aber ohne Gewinnchancen. Wir fanden kein Gold, dafür andere Schätze:

Spuren von US Präsident Donald Trump fanden wir in Bennet bei Carcross, einem Ort ziemlich am Anfang des Trails, wo die Männer noch stark und energiegeladen waren. Donalds Urgrossvater, Frederick Trump, führte hier in den Goldrush-Jahren ein Hotel mit Bordell. Seine «Damen der Nacht», wie die Prostituierten dazumal hiessen, lockten den hoffnungsvollen Neuankommenden das Gold aus den Taschen bevor sie es gefunden hatten.  85 % davon mussten sie gezwungenermassen an Frederick weiterleiten, der damit einen Grundstein im Finanzgebäude des heutigen US-Präsidenten legte. Schade eigentlich, dass meine Urgrossväter das Geld mit Brot backen und mit Holz bearbeiten verdienten.

In den Blue Mountains bei Carcross fanden wir wundervolle Mountainbike Downhill Tracks. Ein paar einheimische Jungs bauten sie vor wenigen Jahren und bewiesen damit, dass sie immer noch so gute Fährtenfinder sind, wie ihre Urgrosseltern zur Zeit des Goldrushes.

In Dawson City schlussendlich fanden wir das Skelet des Monsters. Überall liegen rostige Trümmer von genialen Apparaten und Maschinen herum, gaffen schwarze Erdlöcher aus einer total zerstörten Umgebung in die abgeholzten Hänge, und es hangen Stahlseilkonstruktionen in der Luft, welche scheinbar die wacklige Natur zusammenhält. Über 600 Tonnen Gold wurde hier bis heute geschürft und noch immer ist es die Haupteinnahmequelle der kleinen Stadt. Wahrscheinlich wurde jeder Stein schon mehrmals umgekehrt, der vor gut 100 Jahren dem Permafrost entrissen wurde. Ganz verbissene graben heute noch!


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