Fährst du in weniger als 6 Stunden von Sydney über Lunenburg nach Liverpool und überquerst du dabei kein grosses Wasser oder Landesgrenzen, dann sitzt du nicht gezwungenermassen in einer Interstellarrakete, noch musst du dich durch ein «Wurmloch» der Raum-Zeitfläche quetschen. Nein, du bist einfach in Neuschottland. Aber Achtung, nicht das neue Schottland, das eventuell ein neuer EU-Staat wird, während das alte Grossbritannien noch immer mit der Austrittsrealität ringt, sondern Nova Scotia, die Kanadische Atlantikprovinz. Nova Scotia ist eine, so erscheint es uns zumindest, gemütliche Provinz mit gemächlichem Gang. Die meisten Leute haben noch immer Wurzeln in England, Süddeutschland, der Schweiz oder Irland und sind immer für einen Schwatz bereit, einen Gedankenaustausch oder Sprachencheck. Est ce que tu parle francais? Sprechen sie Deutsch? Viele hier sind stolz auf ihr Französich, einige aber auch auf ihr Deutsch, und ist es nur, um Guten Tag, Bier trinken, ist. Wenn wir nicht über unsere Länder sprechen, dann kommt meist Mr. Trump aufs Tapet. Eines wird uns schnell klar: Sie lieben ihn auch nicht, diesen unerzogenen skrupellosen Geschäftsmann, der vieles sein könnte – ausser Politiker.

Der eisige Atlantik scheint uns zeigen zu wollen, wie er weiterhin für die Beibehaltung des Winters kämpfen will. Scheint er vergessen zu haben, dass da noch andere Kräfte, vorläufig noch hinter dicken Wolken, spielen?

Wir bewegen uns in Nova Scotia als die einzig wahrnehmbaren Touristen zu dieser Jahreszeit. Museen, Naturparks oder Campgrounds sind alle bis Mai oder Juni geschlossen, noch ist es zu kalt. Das kräftige Atlantiktief vor der Neufundländischen Küste beschert uns kalte, zum Teil kräftige Winde und Schnee und sorgt gebührlich für die zeitliche Ausdehnung des Winters. Anderseits lässt die ab und zu erscheinende Sonne auch ihre Muskeln spielen. Sie gibt zu erkennen, dass sie nicht mehr so flach zu unserem Standort steht, und dem Winter leicht das Garaus machen kann. Wir hoffen, dass dies bald geschieht! Inzwischen pflügt sich der DaBa durch den Altschnee auf den Parkstrassen des Kejimkujik National Parks. Die Barrieren des Parks stehen offen, nur sind alle Gebäude und sonstigen Infrastrukturen geschlossen. Am Ostende des noch gefrorenen Kejimkujik Sees finden wir unseren Platz in einer Waldlichtung, 100 Meer vom See entfernt und erleben einen traumhaft schönen Tag/Nacht Übergang. Kurz vor Sonnenuntergang schieben sich die niederen Wolken beiseite und zeigen uns das Grau in Grau im neuen Licht.

Die grau-beige Eisschicht wird plötzlich glänzend weiss und die, am Ufer, gebrochene Eisblöcke spielen mit ihrem bläulichen Schatten. Für ein paar Augenblicke scheint kein Sieger hervorzukommen, doch leider wird schnell ersichtlich, dass der Schatten gewinnt, bis auch er sich der Dunkelheit geschlagen geben muss. Zeit für uns, im DaBa die Heizung anzuwerfen und Heiz Li abzufüllen. HeizLi abfüllen? Reisen wir mit einem Chinesischen Freund? Mehr dazu später – sofern der Winter noch lange anhält.