Auf der Fähre der BFL (Bay Ferries Limited) verlassen wir in Digby die Provinz Novo Scotia und sind bereits zweieinhalb Stunden später in St. John in der Provinz New Brunswick. Hätten wir unserem DaBa etwas Geliermittel in den Diesel gegeben, es müsste allerdings, aus meinen bescheidenen Erfahrungen mit einem aus dutzenden von verschiedenen Hydrokolloiden, eines einer anderen chemischen Familie sein. Dieses Mittel würde dann die Autoabgase als eine schleimige Emulsion binden, die sich dann als Schleimspur hinter dem DaBa niederlassen würde. Damit wären wir eine perfekte Mimikry. Getarnt und sicher vor Fressfeinden, schleichen wir auf Nebenstrassen, das Haus auf dem Rücken, eine Schleimspur hinterlassend und langsam, Schritt für Schritt – doch eben nicht, wir sind ja als Schnecke unterwegs. Also die Spur führt zuerst von St. John nach Federicton.

Federicton ist die Hauptstadt von New Brunswick und Sitz des Provinzparlaments. Das Gebäude ist öffentlich zugänglich und ausserhalb der Session darf man sich nach einer einfachen Personenkontrolle sehr frei in fast allen Räumen bewegen. Sehenswert ist die Wendeltreppe zu den oberen 2 Stockwerken, die nicht im Zentrum abgestützt ist, sondern nur am Aussenwendel in der Treppenhausmauer verankert ist. Mit Stolz erzählt uns der Wachmann, dass New Brunswick die einzige Kanadische Provinz mit zwei offiziellen Sprachen sei, und dass die meisten Leute tatsächlich beider Sprachen mächtig sind. Etwas abschätzig fügt er hinzu, dass die meisten Quebecer frankophil sind und meist nur Französisch sprechen können – wie die Franzosen halt.

Als Übernachtungsplatz bietet sich der grosse Parkplatz neben dem Goverment House gleich angrenzend an das Stadtzentrum an. Etwas weiter liegt Woodstock auf unserer Schleimspur. Aber nicht DAS Woodstock. Dieses Woodstock hier erweckt nicht den Anschein, je ein Friedenskonzert gesehen zu haben. Jedoch finden wir für uns etwas Nützlicheres im Feuerwehrdepot, nämlich Wasser für unseren DaBa. Der Frischwasser Tank ist bis auf ein paar Tropfen leer. Zwei freundliche Feuerwehrmänner öffnen uns das Tor, Schlauch ausspindeln, das Ende in DaBas Einfüllstutzen, Hahn auf und, ruckzuck, sind die 120 Liter drin.

Etwas nordwestlich von Edmundston passieren wir die Grenze zu Quebec und auch die Zeitgrenze zwischen der Atlantic und der Eastern Zeitzone. In Rivière-du-Loup erfahren wir, dass die meisten Fähren über den Saint Lorenzstrom noch im Winterschlaf stecken. Deshalb führt unsere Spur am Südufer des Fleuve Saint-Laurent vorerst bis in die Stadt Quebec und später nördlich in den wunderschönen Parc National de la Jacques-Cartier, der immer noch unter einer dicken Schneedecke liegt. Dort verbringen wir zwei Wandertage im hohen Schnee. Die Schneehöhe wird erschreckend schnell am eigenen Leib erfahrbar, wenn man ein bisschen abseits des Weges die Schneedecke durchbricht und man – schlupp bis zur Brust versinkt. Mit eigener Kraft dort wieder herauszukommen war eine nicht erfüllbare Aufgabe für Moni.