Snow Lake und die Wekusko Wasserfälle hinter uns lassend fährt Moni die #392 wieder zurück in Richtung Süden, biegt nach etwa 30 Km westlich in die #39 nach Simonhouse ein, von wo wir vor drei Tagen herkamen. Der Abstecher zur Minenstadt Snow Lake lohnte sich absolut, sahen wir doch zum ersten Mal eine filmreife Minenstadt in einer wunderschönen, irgendwie mystischen Umgebung, die nur aus Wälder und Seen zu bestehen scheint. Auf der Highway 10 biegt Moni rechts ab und fährt zügig weiter in Richtung Norden, mit dem Ziel Flin Flon, die nächste grosse Minenstadt. Lastwagenzüge mit Erz oder Holz beladen überholen uns beladen und kreuzen uns entladen. In beiden Fällen winken uns die Fahrer zu und unser Zurückwinken erstickt in der Staubwolke dieser Giganten. Die Strasse führt, typisch hier im Norden Manitobas, durch das Prärieland mit borealem Nadelwald und unzähligen Seen und Biberteichen. Zur Erinnerung, boreale Nadelwälder sind die nördlichst gelegenen Wälder auf unserer Erde, wie in der Taiga oder eben hier oben in Kanada.

Nach einer Weile ist ein Fahrerwechsel angesagt. Moni sucht einen Ort zum Parkieren, zufälligerweise ist es in Cranberry Portage, auf dem Parkplatz eines Holzschnitzers. Ein Cree begrüsst uns schon auf dem Parkplatz mit kerniger Stimme: «Wo zum Teufel habt ihr euch verirrt und seid hier gelandet?» Dass wir nur wegen ihm diesen langen Weg gegangen sind, nimmt er uns nicht ab, obwohl, meinte er, berühmt sei er ja schon.

Seinem Hinweis folgend, besuchen wir das im alten Bahnhofgebäude eingerichtete Heritage Museum. Mary-Ann, Lori, June und Mabel begrüssen uns im ehemaligen Stationszimmer und führen uns durch die Räume. Eine eingerichtete Trapper Hütte, verschiedenen Tierfallen, eine Küche, und im Obergeschoss drei Zimmer mit Gegenständen aus der Pionierzeit sind zu sehen und erzählen die Geschichte des Dorfes. Besonders interessant sind die Ausführungen von Mary-Ann. Ihre blauen Augen glänzen besonders, wenn sie von ihrem Bombardier erzählt, mit dem sie noch heute im Winter die gefrorenen Flüsse befährt, wie bereits in den fünfziger Jahren zusammen mit ihrem Mann. Das Interesse an diesem Gefährt liest sie von meinen Lippen und lädt uns zu sich nach Hause ein: «Ein Bombardier kann nicht beschrieben werden, er muss berührt werden!» So folgen wir ihr mit unserem DaBa, sie voraus mit Velohelm auf ihrem offroad Quadro. Die 74 Jahre sieht man der aktiven, quirligen Dame nicht an. Dass sie 1998 das weltweit erste Bombardier Rally ins Leben rief, ist uns klar, und dass sie uns einen Fisch, Paniermehl und 4 Brötchen mit auf den Weg gibt, ist für sie klar.