Seit Sonntag scheint Halifax in den Winter zurückzukehren. Ein tiefer, dunkelgrauer Himmel steht im Kontrast zum frisch gefallen Schnee und lässt uns die Kälte als unfreundlich und aufdringlich empfinden. Da unsere dicken Winterkleider im DaBA sind und dieser immer noch im Hafen an der Fairview Cove zur Einfuhr steht, begnügen wir uns mit kurzen Ausflügen in die ganz nahe Umgebung, eben gerade soweit, wie uns die Turnschuhe tragen. Wir logieren bei Joan im Marigold B&B in der 6318 Norwood street, gut gelegen an der Linie 1, die uns in etwa 10 Minuten bequem ins Stadtzentrum bringt.

Heute früh bekamen wir die Nachricht, dass die Freigabedokumente nun beim Spediteur eintrafen und dass wir das Prozedere zur Einfuhr starten können. Als wir uns früh morgens, noch in den frisch verschneiten Strassen, zur Burmingham Street im Stadtzentrum kämpften, wussten wir noch nicht, was für ein ereignisreicher Tag für uns begann, obwohl die erste Anlaufstelle unserer Schnitzeljagd ein Fehltreffer war. Der gesuchte Atlantic Custom Broker verlegte seine Büros vor einem Monat in die Zwillingsstadt von Halifax, nach Dartmouth, die mit dem Taxi und in guten Verhältnissen in etwa 40 Minuten erreichbar ist. Dort angekommen, überraschte uns einmal mehr die lockere Freundlichkeit der Neuschottländer. Gemächlich, locker, zuvorkommend aber effizient. In nicht mal 10 Minuten wurden unsere Identität kontrolliert, die bereits gut vorbereiteten Dokumente verifiziert, und nach Entrichten der Speditionsgebühr von 150 CAD wurden uns die Frachtpapiere ausgehändigt. Wieder im Taxi die Strecke zurück nach Halifax in die 3139 Oxford Street zum Zollamt. Die bewaffnete Beamtin wollte wissen, ob wir Waffen, Spraydosen oder Lebensmittel im Auto hätten und ob die 2 deklarierten Mountainbikes Erdverschmutzungen aufweisen. Nach mehreren NEIN Antworten kriegten wir die benötigten Stempel auf diese Dokumente, in der Anzahl etwa ein Fünftel dessen was wir in einer ähnlichen Situation in China erhalten hätten. Mit den Fracht- und Einreisedokumenten konnten wir die letzte Station anlaufen: Hafen Terminal Cerescorp in Fairview Cove. Was uns am Morgen noch unvorstellbar erschien, wurde auf einmal vorstellbar, als wir weitem den DaBA und unter einer Schnee- und Eisschicht ausmachen konnten. Nach ein paar weiteren Formalitäten konnten wir noch vor 11 Uhr den Hafen mit unserem Auto verlassen.

Als nächste Aufgabe der Schnitzeljagd stand uns die Beschaffung eines Gaszylinders mit Druckminderer auf 30 mbar und einem Anschluss für bestehendes DIN Gewinde unserer Küche. Nur schon der Gedanke an DIN Gewinde und an den kleinen Gaskasten im Möbel liess mir Schweiss aus allen Poren schiessen; Holzsäge, Meissel und Schmirgelpapier im Gepäck zeugen davon, dass ich auf alles gefasst war. Doch zu unserer grossen Überraschung bescherte uns bereits die erste Anlaufstelle bei Canadian Tire den ersten Erfolg. Wir fanden einen auffüllbaren Gastank in unseren Wunschmassen. Für das Auffinden der nächsten Schnitzel kauften wir ein Garmin Navigationsgerät. Im dritten Anlauf fanden wir in der 81 Ilsley Ave bei House and Fittings Canada Inc die Ansprechperson und gleichzeitig den Problemlöser. Eine halbe Stunde verliessen wir den Laden mit einem konfektionierten (aber nicht zertifizierten) Schlauchstück mit allem was das Herz begehrte. Um 6 Uhr sassen wir im Thai Restaurant hinter einer heissen Suppe und schauten zurück auf einen sehr gelungenen Start in unser Abenteuer.

Ein weiterer Tag in Halifax bereichert uns mit Lust auf Architektur und Lesen, als wir in der Lobby der Central Library standen. Trotz der immensen Höhe und Weite bereitet sich eine unerwartete Ruhe aus. Lesende, kuschelnde Pärchen, Lernende, Spielende finden sich auf Ledersofas inmitten Bücherregalen und an den vielen Computertischen. Die verschiedenen Etagen verbindet eine zentrale Treppe, die an Eschers Penrose Treppe erinnert.

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