Wildlachs aus Alaska liegt voll im Trend, davon erzählt uns Andrea, die Inhaberin von Trapper’s Creek in Anchorage. Ihre Firma verarbeitet hier in diesem kleinen Betrieb den angelieferten Wildlachs zu verschiedenen geräucherten Delikatessen, selbstverständlich alles, wir sind ja in den USA, nach Kosher Vorschriften. Andrea führt uns von der Anlieferung bis zur Verpackung durch die Produktion, die insgesamt ein einfacher und übersichtlicher Prozess zu sein scheint. Dass dahinter jedoch viel Fachwissen steckt, wird uns klar, als wir verschiedene Rezepturversuche degustieren und die Geschmacksunterschiede feststellten. Rauchtemperatur, Räucherzeit und letztlich auch die Mischung der verschiedenen Holzarten zur Rauchentwicklung bauen auf Traditionen und Erfahrungen auf, und werden individuell an den Rohstoff und an das Endprodukt angepasst, damit ein Standard entsteht, der vakuumiert und tiefgefroren in die ganze Welt exportiert werden kann.

Am Abend lädt uns Andrea zu einem Schweizer Abend mit Raclette und Fendant bei Felix zuhause ein. Gemütlich zusammen unter Ausgewanderten finden wir uns gleich zu Beginn wohl, es erinnert uns an unsere Jahre in China, wo unter Auslandschweizer dieselben Themen im Vordergrund standen: Die Banken, das Gesundheitswesen, die Ordnung und Zwänge in der Schweiz, die Möglichkeiten, Freiheiten und Herausforderungen im Gastland. Anchorage bietet ihnen allen sehr viel, man lebt sich offenbar schnell ein und gehört auch schnell zu einer grossen Familie. Die junge, kaum hundert Jahre alte Stadt ist so ein Mittelding zwischen Amerikanischer Grossstadt und Dorf, aber immerhin, dieser Ort beherbergt 41% der gesamten Bevölkerung Alaskas.

Die Härte des Lebens, abgeschieden von der Zivilisation hoch oben im Norden, wie es die Ureinwohner leben oder zumindest lebten, wird uns klarer beim Besuch des Anchorage Museums. Hier sind viele Artefakte der Athabascans, der Tlingits, der Yup’ik und den Inupiak ausgestellt, die uns das grosse Staunen hervorruft. Nur dank eines unglaublichen Erfindungsreichtums und handwerklichem Geschick ist ein Überleben in dieser lebensfeindlichen Umgebung von acht Monate Dunkelheit, Eis und Kälte überhaupt möglich. Wasserfeste Stiefel aus Seelöwenhaut, Oberhemden aus Seehunddarm, Kanus aus Seehundhaut, Angelhacken aus Walrosszahn; alles was die Natur hergab, wurde als Nahrung, Kleidung, Gebrauchsgegenstand und Werkzeug genutzt.

Ein paar Tage verbringen wir in Homer, einer sympathischen kleinen Stadt an der Kachamak Bay im Südwesten der Kenai Halbinsel, die sich selbst als «Halibut Fishing Capital of the World» bezeichnet. Jedes Jahr findet hier im Juli ein Fischwettbewerb statt, der hunderte, wenn nicht tausende von Sportangler anzieht. Niemals hätte ich gedacht, dass so grosse Kerle an Land gezogen werden können. Der Gewinner Sam Mills bewies es: Ein Heilbutt von über 108 kg!

Meist ist der Himmel dieser Tage dicht verhangen und ein umwerfendes Panorama aus weissen Gipfel, Gletscher und Vulkane in der Ferne, lässt sich nur erahnen, wenn sich ein Fenster für kurze Zeit im grauen Wolkenschleier öffnet. Glücklich sind wir, weil wir als Abwechslung den DaBa gegen ein wunderbares und gemütlich eingerichtetes Mietshäuschen eintauschten.  

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