In Tok stossen wir wieder auf den Alaska Highway, wo wir auf den Tag genau vor einem Monat, vom Top of the world herkommend, in Richtung Norden fuhren. Heute treibt es uns nur noch nach Süden, auf weitere Nächte mit starkem Wind und -15 ° möchten wir verzichten. Anderseits scheint immer wieder die Sonne, die sich durch die tiefhängenden Wolken drückt und uns aufwärmt. Obwohl sie den ganzen Tag tief am Horizont bleibt, spüren wir ihre Kraft und die Motivation die von ihr ausgeht. Zwischen Port Alcan und Beaver Creek überqueren wir die Grenze zu Kanada. Die Amerikaner interessiert es nicht, dass wir Alaska verlassen und der kanadische Zöllner fragt uns mehr über Herkunft, Ausbau und Motorisierung des DaBa aus, als er sich für unsere Dokumente zu interessieren scheint. Mit einem «passt auf, die Strasse ist ein Spiegel heute» wünscht er uns eine gute Weiterreise.

Unten in Beaver Creek finden wir bei der Tankstelle einen RV-Park mit geheizter Toilette. Diese Chance wollen wir nicht verpassen und zahlen gerne die 15 CAD für eine Übernachtung. Nicht schlecht staunen wir am anderen Morgen, als uns ein älterer Herr mit «was machid ehr de no do obe?» ansprach. Beat Ledergerber, geboren im Thurgau und seit über 60 Jahren hier oben, wo er sich ein Universum erschuf: Eine Tankstelle, ein Motel, ein Waschsalon, ein RV-Park und dazu ein Hotel mit über 100 Zimmer nennt er sein Eigen. Mit 84 Jahren, die man ihm nicht mal von Nahe gibt, amtet er noch als Bezirks-Friedensrichter und lokaler Abgeordneter für Gerichtsmedizin. Was ihn so jung und dynamisch erhalte kann er nicht beantworten, seine Frau kam ihm zuvor: «da bin ich zuständig, ich halte ihn auf Trab bin auch noch viel jünger!»

Wir folgen weiter dem Alaska Hwy bis Haines Junction und zweigen dort in die Haines Road ab, immer am Rand der vier grenzüberschrittenen und zusammenhängenden Nationalparks entlang. Damit ist dies die weltgrösste geschützte Landmasse: Die Nationalparks Wrangell-St Elias, Kluane, Glacier Bay und Tatshenshini-Alsek bekamen deshalb den Titel als UNESCO Welterbe. Immer wieder finden wir Seitenstrassen, die in die Parks abzweigen und dort Übernachtungsplätze, obwohl (oder gerade deshalb) alle Parkeinrichtungen bereits geschlossen sind. Auf vielen Wanderungen fanden wir noch frische Bärenspuren – ein sicheres Zeichen, dass wir noch nicht ganz in der Wintersaison sind.

Kurz vor Haines überqueren wir nochmals die Grenze, diesmal wieder in die USA. Hier ein ebenso unkompliziertes Verfahren – «welcome to Alaska, we’re not Americans, we’re Alascans ?» und «fahrt vorsichtig, die Strassen sind eisig!»

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